Anthony_Giddens_at_the_Progressive_Governance_Converence,_Budapest,_Hungary,_2004_October

Anthony Giddens

Neben Ulrich Beck oder Richard Sennett ist für mich Giddens einer der interessantesten Soziologen unserer Zeit. Er schrieb dass für mich so wichtige Buch “Konsequenzen der Moderne”, worüber ich schon in meiner Diplomarbeit einen Essay liefert und nun erneut während der Gründung meiner neuen Firma konfrontiert bin.

Anthony Giddens schreibt in seinem Buch zur Modernisierungstheorie der heutigen Gesellschaft. Gehen wir chronologisch nach Kapiteln vor:

Im ersten Kapitel des Buches klärt Giddens zunächst einige Begrifflichkeiten zur Moderne und stellt für den Verlauf des Buches eindeutig fest, dass die Moderne keine Teleologie mehr hat, wie dies frühere Wissenschaftler annahmen, sondern einer so genannten Diskontinuität unterliegt. Das soll heißen, dass in der Moderne nichts vorherbestimmt ist oder einem bestimmten Zyklus folgt. Die Moderne ist grundsätzlich anders als alle anderen bisher da gewesenen Zeitalter in der Menschheitsgeschichte. Für die Diskontinuität der Moderne legt er außerdem 3 Merkmale fest. Dabei stellt er außerdem in den Raum, dass für ihn die Diskussion um die Begriffsbezeichnung der heutigen Zeit und Gesellschaft eindeutig klar ist, dass wir heute noch nicht in einer Zeit der Postmoderne, sondern der Moderne leben. Wir können lediglich einen Ausblick auf die Postmoderne werfen und Vermutungen anstellen, wie diese aussehen könnte. Angekommen sind wir jedoch noch nicht in dieser. Des Weiteren stellt er bereits im ersten Kapitel die Quellen der Dynamik der Moderne dar. Hierbei ist für ihn zum einen raumzeitliche Abstandsvergrößerung wichtig, sowie die Entbettungsmechanismen in der Moderne und die reflexive Wissensaneignung.

Das zweite Kapitel besteht dann zunächst aus der Darstellung der institutionellen Dimensionen der Moderne und deren Beziehungen untereinander. Diese sind für Giddens der Kapitalismus, der Industrialismus, die militärische Macht und die Überwachung. Außerdem stellt Giddens dann den Begriff der Globalisierung und dessen Dimensionen dar. Dieser Begriff hat einen engen Zusammenhang mit der raumzeitlichen Abstandsvergrößerung der Dynamik der Moderne und entspricht diesem Begriff somit auch. Es geht dabei darum, das Dinge globale Auswirkungen haben, oft über große Entfernungen hinweg, da in der Moderne oftmals lokale Ereignisse globale Auswirkungen haben.

Im dritten Kapitel konzentriert sich Giddens auf die Darstellung und Erklärung des Vertrauensbegriffs in der Moderne. Dabei erklärt er diesen nicht bloß, sondern stellt beispielsweise auch das Gegenteil von Vertrauen dar, unter welchen Bedingungen Vertrauen auftaucht oder abgebaut wird, wie dieses demnach gesteuert wird durch äußere Einflüsse und außerdem klärt er den Leser darüber auf, warum Menschen überhaupt Vertrauen haben in die Systeme der Moderne. Abschließend erklärt er dann noch den Begriff der ontologischen Sicherheit, welcher in engem Zusammenhang mit dem Vertrauensbegriff steht und die ureigene Sicherheit eines jeden Menschen bedeutet, welche im Normalfall jedem Kind mitgegeben wird.

Das vierte Kapitel schließt thematisch zunächst an das Letzte an. Somit wird der Vertrauensbegriff weiter ausgebaut und dessen Beziehung zu Freundschaft und persönlichen Beziehungen dargestellt. Darüber hinaus kommt an dieser Stelle der Begriff des Risikos mit ins Spiel. Hierbei stellt Giddens die Risiken dar, welche in der modernen Welt Einfluss auf die Menschen in dieser haben und auf welche Art und Weise sie mit diesen Risiken umgehen. Dabei stellt er mögliche Anpassungsreaktionen vor.

Im fünften und sechsten Kapitel stellt Giddens resümierend seine ganz eigene Metapher zur Moderne auf. Hierbei handelt es sich um den sogenannten Dschagannath-Wagen, welcher als Gegeninterpretation zur Teleologie der Menschheitsgeschichte verstanden werden kann, welche zu Beginn des Buches aufgeworfen wurde. Diese Metapher vertritt die These, dass die Moderne, nach Giddens Meinung, einem indischen Dschagannath-Wagen entspricht, auf welchem man entweder mitfahren und ihm entsprechen muss oder wenn man sich ihm entgegenstellen, man andernfalls von diesem überrollt werden würde. Demnach ist es für Giddens wichtig, das der Gesellschaft in der Moderne gar nichts anderes übrig bleibt mit dieser Welle mitzuschwimmen, da sie sonst förmlich von dieser überrannt würde. Denn kein Mensch, welcher heute lebt, kann sich der Moderne, ihren Quellen, ihrer Dynamik, ihrer raumzeitlichen Abstandsvergrößerung, der Globalisierung, Entbettungsmechanismen oder Reflexionen sowie den Vertrauensmechanismen und den Risiken der Moderne entziehen.

ME WE

Wir leben in dieser Welt und somit müssen wir auch mit dieser Leben. Aber auch Giddens verheimlicht nicht: Wir sind Individuen. Wir können die Welt ändern. Jeder ein wenig. Und in Summe dieser einzelnen Entscheidungen und Realisierungen ändern wir auch den Lauf der Welt mit. Ein wenig. Hoffnung stirbt immer zuletzt.

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