Tesla? Oder der EQC!?

Elektrisch fahren. Das tue ich jetzt seit 3 Jahren. Aber keinen Pkw. Sondern ein elektrisches Lastenrad, das ist ein Unterschied. Aber einen Pkw haben wir im Haushalt ja dennoch und zwar ausgerechnet einen Diesel SUV! Sollen wir aber jetzt umsteigen und helfen wir damit nicht nur unserem grünen Gewissen? Mercedes hat interessierte Kunden zur Probefahrt des nagelneuen EQC eingeladen und so konnten wir uns mal selbst eine erste Antwort hierauf geben, ob der EQC eine Antwort sein könnte auf die Frage: Wie sieht die Mobilität der Zukunft denn aus?

Ab und zu, wenn ich mal ein Auto brauche, leihe ich mir gerne bei DriveNow den i3, den ich für ein hervorragendes Stadtauto halte. Absolut kompromisslos, geräumig, ideale Maße, spurtstark, spannend designed. Und man kann ihn mieten, meist steht er keine 500m weit weg von uns an einer Schnelladestation der Rheinenergie. Für unseren Familienalltag aber, vor allem also die Reise zur Oma und zum Opa, für die lange Strecke zum Schwimmverein für unsere Tochter und größere berufliche Strecken, für die das Leihen auch recht teuer wird, dazu taugt die Reichweite im i3 einfach nicht. Auch deswegen war eine Anschaffung nie ein Thema, ganz unabhängig vom Preis. Warum auch kaufen, wenn man ihn situativ mieten kann? Im Alltag und im täglichen Pendelverkehr in der Kölner Innenstadt ist das Lastenrad ansonsten eh unschlagbar: Deutlich zügiger unterwegs, eine Fahrdynamik, die mir und den Kindern deutlich mehr Freude macht und dazu schont es den Geldbeutel. Umwelt und meine Gesundheit freuen sich auch sich über die Bewegung mit 200 kg statt 2000 kg, also schweren Sessel in Blechhülle. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich keine 15 Minuten mit dem Rad zu meinem Office brauche. Nicht jeder hat so eine Entfernung, entsprechend gilt meine Antwort auf meine Mobilitätsanforderungen eh nicht für jedermann und jedefrau. Die Debatte gegen das Lastenrad “und was ist bei schlechten Wetter?” lässt sich mit der entsprechender Funktionskleidung beantworten. Und ich höre auch, dass man ja “nicht verschwitzt ins Büro gehen möchte”. Das sind aus meiner Sicht ausreden, ganz Holland geht nicht verschwitzt ins Büro und mit einem elektrischen Antrieb schwitzen wirklich nur Elefanten noch auf dem Drahtesel. Es ist eher eine Frage, ob man wie ich als Münsterländer mit dem Rad aufgewachsen ist oder in der Großstadt mit Pkw oder alternativ Straßenbahn. Für viele Kölner, dass merke ich jeden Tag, ist Fahrradfahren exotisch und gefährlich.

Wir haben aber dennoch einen Pkw, ein Euro6 Gefährt, aber ein Diesel und der ist ja mal gehörig unter Verruf geraten. Trotz Bluetec und Partikelfiltern. Und eigentlich kaum mehr als 6-7l Verbrauch. Es ist ein GLK von Mercedes und der gilt in diesem Lande als SUV. Also nicht die amerikanischen SUV-Dimensionen mit Leiterrahmen und Starachse, aber dennoch potentiell ist man hier erregt über ein SUV. Es ist ein fahrendes Umweltverbrechen für die SUV-Hasser. Er ist zwar nur halb so groß wie ein VW Bulli, ungleich größer als ein Golf, aber das Etikett wiegt schwer. Meinen eigenen Pkw, einen CLS Shooting Brake, habe ich gegen das Lastenrad quasi getauscht. Der Pkw fährt jetzt in Bayern und der Fahrer ist wohl sehr zufrieden damit. Ganz ohne eigenen Pkw, das ist aber klar, ist es auch für mich schwierig. Das hat einerseits organisatorische Gründe und andererseits gibt es sie bei uns dann doch zahlreich: Die 150 km One Way Touren, die man mit keinem elektrischen Rad der Welt mal so eben beherrscht. Köln – Westfalen, da gibt es leider wenige echte Alterantiven. Bahnfahren geht nicht, denn es gibt dort schlicht keine Gleise mehr. Und mehr als 3 h kann und möchte ich in keinem Falle für diese Strecken aufwenden, da hilft also der Bus erst recht nicht. Was aber ist das richtige, das saubere Auto? Ein Tesla? Der ist nicht nur “sauteuer”, der hat mir auch immer nur mäßig gefallen, obwohl die Firma eines garantiert immer war: Progressiv und nach vorn.

Das forsche Auftreten auch von Gründer Musk hat mir imponiert, denn irgendwer mußte mit der Zukunft ja beginnen. Und zwar glaube ich jetzt auch nicht, dass wir in 5 Jahren auf dem Mars eine Kolonie haben müssen, aber besser einer probiert es. Und nebenbei die Mobilität hier auf grüne Beine stellen, das würde ganz große Probleme lösen. Ob er dass aber tut, darüber gibt es arge Bedenken. Alleine die Menge an CO2 die man benötigt, einen Tesla herzustellen, das geht ja auf keine Kuhhaut! Die Teslas selber dagegen fielen bei mir als reines Produkt durch: Das Design eher wie ein Mazda 626, Fahrzeugcharakteriska auch ansonsten typisch amerikanisch: Viel zu brutale, absurde Beschleunigung (beim ersten Mal wow, später nur noch nervig). Aber vor allem das Wohnzimmer gefiel mir nicht – seelenlos und kalt. Gemeint ist das Interieur, eine herzlose Plastikwüste. Den rettete auch nicht der riesige Bildschirm, der sich viel zu tief unten für meine Verhältnisse justierte und eher der Ablenkung und dem Entertainment denn dem Fahrer dient. Das Bedienkonzept will sehr progressiv sein, fällt aber praktisch durch, denn manchmal ist der direkte Knopf einfach besser als ein On-Screen-Menü zum durchflippen. Der Tesla X, der für unsere Familie mit 5 Personen groß genug wäre, wirkt derart gigantisch groß und rund wie ein Nilpferd, das ich ihn gar nicht mag. Die preisliche Gestaltung zudem bei den großen Teslas jenseits von gut und böse, der Wertverlust so arg wie das Klappern im Innenraum nach einigen tausend Kilometern. Der Tesla 3 ist für uns als Familie schlicht zu klein, das Au Pair dürfte dann zu Hause bleiben. Aber Tesla hin oder her: Ist die Zukunft nun wirklich elektrisch oder gar Wasserstoff? Ist der Diesel out oder ist der Hybride die Zukunft? Wie so oft, es gibt da keine pauschale Antwort. Und für echte Umweltschützer ist sowieso jedes Auto auf dieser Erde eines zuviel. Mercedes gibt jetzt eine weitere Antwort auf dass, was Tesla gemacht hat: den EQC. Und zeigt, was man kann, wenn man es denn elektrisch lösen will.

Mercedes stellt mit dem EQC den ersten Mercedes vor, der als Elektroauto entwickelt wurde von A bis Z. Es gab zwar ursprünglich als Verbrenner konstruierte Fahrzeuge, die elektrisch auf- und umgerüstet wurden (wie die B-Klasse oder den Smart). Das waren in der Regel aber elektrische Autos voller Kompromisse, die Reichweite war das größte Problem, auch die Vorteile elektrischer Fahrzeuge wurden eher schamhaft inszeniert, um den Erfolg von Verbrennern nicht zu gefährden am Verkaufstresen. Hier aber liefert Mercedes genau dass, was ein echtes Elektroauto könnten muss. Und zwar mindestens 358km Reichweite. Das wäre mehr als genug für unsere Zwecke, erst recht wenn man zum Zwischenladen an Schnelladestationen halten kann. Mehr als 3 h am Stück fahren, das tun wir nie, nicht mal auf dem Weg in den Urlaub. Am Design der motorisierten Kutsche (Motor vorne, Passagierabteil, Kofferraum) hat man beim EQC aber noch festgehalten, ganz so progressiv wie die Elektromotoren das Fahrzeugdesign erlauben könnten, wollte man nicht sein. Die Batterie befindet sich tief unten am Fahrzeugboden wie man das vom i3 oder vom Tesla her schon kannte. Das ist super für die Straßenlage. Sie ist groß und muss ordentlich Wumms haben, denn das Fahrzeug fährt sich wie ein Oberklasse-Mercedes sich fährt: Souverän, höchst komfortabler Geradeauslauf und dennoch merkt man immer, dass man mit ordentlich Gewicht unterwegs ist. Mit Druck aufs Gaspedal dagegen fühlt sich dass an wie beim schweren V8 in der S-Klasse: Wumms und man ist auf 100. Dass das Auto je zu schwach motorisiert bzw. elektrifiziert sein könnte, dieser Gedanke kommt nie auf. Auf ein Chassis komplett aus Carbon wie der BMW i3 verzichtet der EQC, dennoch wirkt er technologisch weit vorne. Ich würde auch sagen, weiter als Tesla es aktuell ist.

Das liegt u.a. am Bediensystem MBUX, das extrem ausgereift wirkt. 2 riesige Screens, einer als Touchscreen ausgelegt, berührungsempfindliche Schaltflächen in der Mittelkonsole und am Lenkrad, Sensoren, Sprachbefehle. Wer noch vor ein paar Jahren immer stöhnte, dass Apple & Co ja soweit voraus sind, dass man eigentlich nur noch den großen Kotau machen sollte: Vorbei. Das MBUX lässt es an überhaupt nichts vermissen, im Gegenteil. Dazu kommt, dass die Ablesbarkeit besser ist als bei jedem Smartphone, nichts spiegelt und Fingerabdrücke sind auch nach vielem Drücken und Quetschen kaum zu sehen.

Autonomes Fahren beherrscht das Auto nicht, aber der aus S-Klasse gewohnte Komfort ist da: Distronic mit einer Abstandsregelung und Geschwindigkeitskontrolle, die einen blind darauf vertrauen lässt, dass man den bremsenden Vordermann nicht übersehen hat, weil man im Gespräch mit der Ehefrau mal wieder den Faden verloren hatte. Die Anzahl von Assistenten aufzuführen könnte den Leser ermüden, vermisst haben wir da aber mal gar nichts. Die Innennaustattung ist luxuriös, der Sprachassistent besser denn je, der Sitzkomfort so überzeugend wie die kleinen Helferlein.

Der größte Unterschied aber zum Tesla liegt wohl darin, dass dieses Auto vor allem alles, was einem an einem Verbrenner-Mercedes gefallen hat, hier noch ein Spur besser ist. Es fühlt sich noch komfortabler, noch ruhiger, noch entspannter und noch sicherer an. Die klassischen Markenattribute sind ausgewalzt, dass der Fan der Marke weiß: Das hier kenne ich, dass funktioniert, dass mochte ich ja vorher auch. Nur eben elektrisch. Das Fahrzeug lässt sich übrigens auch durch Rekuperation bremsen. Das lädt die Batterie wieder auf und ist ein sehr komfortables Fahren, an dass man sich schnell gewöhnt. Gas geben zum Beschleunigen, einfach den Fuß vom Gas nehmen um zu Bremsen. Das funktioniert hervorragend und schont die Bremsbeläge.

Über alle Details zu reden sprengt den Rahmen. Das Auto hat uns in jedem Falle überzeugt als ein sehr gutes Produkt und hervorragendes Angebot. Im Unterschied zum GLK fällt sehr positiv auf, dass der Innenraum deutlich größer ist und der Kofferraum ein echter Kofferraum ist. Das war im GLK wirklich ein Manko, dass Auto wirkte immer auf die Umwelt sehr groß, war im Innenraum aber eher klein, insbesondere im Kofferraum. Würden wir den EQC kaufen? Das müssen wir uns noch gut überlegen, nicht nur weil das keine kleine Anschaffung ist, siehe Preisliste. Wer sich dass aber leisten will und eh überlegte, sich ein Auto anzuschaffen, der sollte dass Auto mal gefahren haben. Da ist eine ganze Menge extrem gut gemacht worden, einen Erfolg hätte sich Mercedes sicher verdient. Ein paar Überlegungen dazu sind aber nötig und die haben es in sich: Nicht nur das übliche Nutzungsverhalten eines Pkw-Fahrers muss dazu verstanden sein, auch muss man hier und da dann doch etwas besser planen, wie die Reise zu bewältigen ist. Ladestationen nennt das Auto sofort, das ist nie ein Problem und es gibt entgegen vieler Gerüchte ja dann doch schon einige mehr als es Pkws mit Akku gibt. Brisanter dürfte aber für Großstadtbewohner das Thema Ladestation sein. Wer im Einfamilienhaus mit Garage wohnt, für den ist das kein Problem. Aber wer in einer Großstadt tut das? Eine “normale” Ladestation könnten wir in unserer Garage vielleicht installieren, Verlängerungskabel bräuchten wir dann, aber das ginge vielleicht schon. Eine Schnelladestation aber, das können wir bei unserem Hausanschluss schon mal vergessen. Also würde fast die halbe Nacht draufgehen, um einmal vollzuladen. Richtig blöd aber ist es, wenn man eine Wohnung in einem Mehrparteienhaus besitzt. Selbst mit luxuriöser Tiefgarage stellt sich die nachträgliche Installation einer Ladestation als quasi unmöglich heraus. Weder die Versicherung noch der technische Hauanschluss ist dafür ausgelegt, mehr als ein Pkw zu laden. Gehen die Nachbarn also leer aus, wenn einer die Schnellladestation will? Ich rede da als Beirat einer Eigentümergemeinschaft eines Neubaus von 2017 von eigenen Erfahrungen, es ist absolut nicht realistisch, sowas im Nachhinein zu installieren, soweit sind wir in diesem Land noch lange nicht und das wird den Erfolg von Elektroautos in jedem Falle noch lange Zeit einbremsen.

Aber diese Probleme, Sie ahnen es, gelten für alle Elektroautos, diese Probleme kann auch nur die Politik lösen. Wenn die es denn will und dafür stellt sich die große Frage dann doch: Diesel? Oder Elektro? Oder besser gleich Wasserstoff? Wie so oft, die Antwort ist mit Unsicherheiten behaftet und vermutlich ist es wie vorher: Nicht eine Lösung, sondern es muss viele Antworten geben für verschiedene Anforderungen. Mercedes hat mit dem EQC jetzt eine überzeugende vorgestellt, nicht schlecht, Mercedes.

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