Max Beckmann: Selbst im Hotel (1922)

„Nun ist ‘Berlin 1922’ fertig. Ich glaube es ist eine gute und ganz amüsante Sache geworden.“ Max Beckmann an I.B. Neumann, 15. April 1922

Neu in der Sammlung:
Max Beckmann
Selbst im Hotel
Lithografie auf chamoisfarbenem Velin
45,5 × 32,2 cm, 1922
Signiert, nummeriert Nr. 48 (98?) von 100
Blatt 1 des Mappenwerks *Berliner Reise*, herausgegeben von I.B. Neumann, Berlin
Provenienz: Elfriede Wirnitzer > Karin & Rüdiger Volhard (1992)

Selbstbildnisse haben im Werk Max Beckmanns eine herausragende Bedeutung. Wie einst Rembrandt, zeigt er sich schonungslos und tiefgründig – allerdings im Stil der Moderne. Seine Porträts spiegeln persönliche Entwicklungen ebenso wie die dramatischen Umbrüche seiner Zeit.

In „Selbst im Hotel“ zeigt sich Beckmann als distanzierter Beobachter – mit Zigarre, inmitten anderer Hotelgäste, vor einer Lampe: Symbol für Erkenntnis in dunkler Zeit. Wein für den Genuß. Die Weimarer Republik ist noch jung, die Wunden des Krieges spürbar. Statt einer Katze – Sinnbild seines Wesens – sind im Spiegel Menschen zu sehen, die ihn von Selbstbetrachtung ablenken. Beckmann hält seine Umgebung fest – es ist ein realistischer Reisebericht, Satire, Porträt und Zeitzeugnis in einem.

Nach dem Ersten Weltkrieg kehrt Beckmann 1922 nach Berlin zurück. Obwohl seine Frau und sein Sohn dort lebten, bleibt er kühl distanziert. In der “Berliner Reise” schuf er ein eindrucksvolles Sittenbild. Auch Werke wie *In der Trambahn* oder das Mappenwerk *Die Hölle* von 1919 verarbeiten Erlebnisse des Krieges, die Saat all dessen, was in ihm gärte.
Anfang der 1920er erkennt Beckmann in Berlin die Welt als absurdes Theater. Die Figuren austauschbar, die Kulisse fragil. Er liest Nietzsche und Dostojewski – ahnt, dass die instabile Gegenwart in ein neues Unheil führen könnte. Noch vor der Flucht in die USA entsteht ein Werk, das schon den Abstand zum Naturalismus markiert und die künftige Richtung weist: existenziell, analytisch, hellsichtig. Kein deutscher Künstler wird seinen Weg gehen. Beckmann ist nicht irgendwer, Beckmann ist ein Solitär.

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