buzZman! liest: Markus, äh, Arthurs Tochter kocht!

Obwohl ich selber ja schon lange wild und kreuz und quer durch die Themenwelt blogge und sogar seit 1998 eine eigene Webseite habe (früh übt sich), habe ich mich bis vor kurzem gar nicht mit den sogenannten Foodsblogs beschäftigt. Echt. Ich kannte gar keins. Weil ich nicht an deren Qualität glaubte. Las lieber was in meiner Kochbuch-Bibliothek nach, das macht mehr Spaß. “Essen & Trinken”-Online war meine Rezeptdatenbank, wenn es schnell gehen mußte, die Rezepte waren meist von gewisser Qualität, aber auch langweilig. “Chefkoch.de” verfluche ich, weil da jedes Tütenrezept eingestellt wird und das zwanzigste Gurkensalat-Rezept mich auch nicht mehr anturned als die Vorherigen. Aber Foodblogs nicht zu lesen? Von passionierten Amateurköchen? Was für ein Fehler!

Doch dann tat sich dieses Universum doch noch für mich auf. Meine größte Begeisterung habe ich anfangs den “Anonymen Koch“, alias Claudio del Principe, entgegengebracht. Ich mag seine Art, seine intellektuelle Betrachtung, sein Auge für Details und seine glaubwürdige Liebe zum Genuß! Auch die visuelle Gestaltung ist ein Genuß! Sein Kochbuch zum Blog bestellte ich mir sofort, leider bei einem Antiquariat, denn dummerweise haben nicht ausreichend Leser sein Werk vom immerhin größten deutschen Kochbuchverlag gekauft. Perlen vor die Säue!

Bei Amazon dann wurde mir dann ein Buch zum Thema “Arthurs Tochter kocht” empfohlen. Der Algorithmus liegt richtig, denke ich und 1 Tag später liegt das Buch in der Packetstation. Deutschlands meistgelesene Foodbloggerin sei Astrid Paul und einer der Besten dazu, sagt die Autorität “Feinschmecker”. Naja, ein kurzer Besuch auf Ihrer damals noch etwas rudimentären Blogspot-Seite bewies mir eher, dass die Dame visuell nicht gerade der Design-Avantgarde zuzurechnen ist, den Inhalt bewertete ich erst gar nicht. Ich Idiot!

Als ich Sie dann aber in allerschönsten Schuhen grinsend im Kochtopf liegen sah, war ich verliebt – Ihr Buch, so dachte ich mir, das ergänzt sich sicherlich mit “Anonyme Köche” hervorragend. Da lag ich aber daneben. Denn Rezepte oder Kochtechnik spielte schon laut Inhaltsverzeichnis eher eine Nebenrolle. Hä? Darum geht’s eben nicht, es geht um die Essenz Ihres Blogs und des Foodblogger-Daseins? Astrid Paul schreibt vor allem über Ihr Leben als Foodbloggerin und wie aus Ihrem Hobby schlussendlich auch noch ein Beruf wurde. Durch das Bloggen tat sich für sie persönlich ein neues Universum auf, so eine Art Karriere der Amateurköche mit eigenem Medium. Viele neue Bekanntschaften sind außerdem für sie enstanden, man kann neidisch werden. Irgendwie war ich aber paralysiert – da wollten wir doch alle, diese anonymen Köche, uns zusammentun und nun wurde eine zum Star? Aber tat Ihr dass auch gut? Ich erinnere an meine kurze Karriere als Nacktmodell und Fernsehstar – es ist gefährlich, wenn das Ego geschmeichelt wird und man sich öffentlich tatsächlich nackt macht – das “Backfire” kann brutal sein – brutal herzlos, gemein und schlimm. Und vor allem dann, wenn man unglaublich offen über sich selbst und sein Leben redet – das tut Astrid nämlich. Aber dazu später mehr.

Neue Bekanntschaften über Kochen oder Blogs zu schließen, ja, das gefiel mir, denn auch ich hoffe ja, dass ich meine Leidenschaft durch mein Blog mit anderen teilen kann. Nur alleine zu Hause kochen ist mir dann doch zu isoliert. Und wenn ich auch ein wenig Feedback erhalte, muss ja nicht gleich zur Vollzeitbeschäftigung und Küchenprominenz ausarten, dann bin ich glücklich! Zum Bloggen selbst gab mir das Buch dann zahlreiche Impulse. Im Gegensatz zu mir hat sich Astrid Paul sehr früh entschieden, nur über Kochen und Genuß zu bloggen. Ich dagegen blogge über alle kulturellen Themen: Architektur, Kochen, Kunst, Ökonomie, Politik – ich ordne alle diese Interessen dem Thema Kultur zu. Aber es macht Sinn, eine klare Identität zu haben, vor allem wenn man etwas “verkaufen will”.

Und weil “Arthurs Tochter” auch sehr früh dabei war, hat der Rest des Medienzirkusses im Food-Universum Ihr auch relativ schnell Aufmerksamkeit zu teil werden lassen. Schaut man sich Rezepte und Beschreibungen Ihres Kochens an, hat sie durch viel Übung und Raffinesse ein wirklich tolles Kochniveau erreicht – so irgendwo zwischen 12-14 Hauben im etwas kleineren, privaten Rahmen. Irgendwo deswegen, weil dass echte Leben eines Kochs im Restaurant nun mal doch eine andere, leider noch viel härtere Liga ist – aber eben nicht im Bereich Foodblogs – da ist Astrid eine harte Arbeiterin und erzeugt unglaublich viel – fast alleine sogar!

Aktuell ist Ihr Kochniveau vermutlich höher als meins, keine Frage. Ihre eigenen Kreationen, wie “Osso Buco vom “Mohrenköpfle” mit Morchel-Polenta und gebratener Rosmarinhaube” sind da schöne Belege für Ihre Klasse. Sie lassen viele Einflüsse internationaler Küche zu, verwenden die großartigen Zutaten der Region und sie kann auch noch einfach kochen – also nicht simpel, sondern eben mit Klasse und Herz klare Gerichte kreieren, was ich oft in der gehobenen Gastronomie vermisse – zuviel ChiChi – …. zuviel Noten würde man bei Mozart sagen, wenn man ihn beleidigen wollte. Mich bestärkte das Buch sicher ungemein, beim Kochen und bloggen weiter zu machen. Und um auf meine Art und Weise das Ziel dieser Anstrengungen zu justieren. Ich will sicher nicht in Konkurrenz zu professionellen Koch Blogs treten, sondern vor allem erstmal mich selber entwickeln und diese Entwicklung dokumentieren. Wie lernt Heidis Papa also Kochen? Am beste noch: Wie wurde aus Heidis Papa ein Meisterkoch! Da denke ich auch an die Urmutter aller Foodblogs, dass erste Machwerk von Julie Powells (Julia & Julia). Julie brauchte in Ihrem Leben (mit Kind) eine neue Herausforderung und wollte es sich einfach beweisen! Tja, und da ich selber auch mit meinen alltäglichen beruflichen Verrichtungen das Gefühl habe, unterfordert zu sein, tue ich es Ihr auf meine Art und Weise nach.

Der Rezension von Astrid Pauls Buch muss ich allerdings einiges für das “gemeine” Lesepublikum ergänzen: Vorsicht, dieses Buch ist “highly graded special interest”! Man könnte fast meinen, das Buch ist für die 500 deutschen Foodblogger geschrieben worden, von denen einige als ziemliche Miesepeter und Misantrophen beschrieben werden, denen Wettbewerb die Suppe versalzen hat. Frau Paul ist eine illustre, vielleicht auch komplizierte, aber sicher komplexe und großartig kantige Person, die enorm viel Biographisches zwischen die Buchdeckel gepackt hat. Ich weiß gar nicht, ob wir das wissen wollen? Ich meine, es ist wunderbar, aber die Frage ist: Tut sie sich damit etwas gutes, denn sie öffnet sich fast schon therapeutisch mit Ihren seelischen Themen und sie kann von uns ja gar keine Antwort kriegen – sie hätte aber eine verdient, denn Ihr Schicksal ist ja nicht so selten…ich könnte da einiges ergänzen….

Nun, hier ist halt der Bruch des Buches – von der Bloggerkarriere zum echten Mensch. Aber es ist ja keine Literatur, denn schwierige Kindheit, Aufwachsung in einer religiösen Minderheit (Adventisten), die Beziehung zum Vater (Arthur), die Zeit als alleinerziehende Mutter, das ist teilweise schon ordentlicher Tobak – das pralle Leben eben. Frau Paul hat immens viel Energie, manchmal schießt sie eben drüber hinaus – sie kann einfach nicht anders – da finde ich mich Ihr sogar allzu ähnlich. Mich wundert fast nicht, dass sie deswegen gerade von dem Moment berichtet, als Ihr die Energie mal ausgegangen ist – sprich Krise, Depression und Wiederbelebung/Erneuerung. Es sind zwei liebevoll und einprägsame Geschichten dabei (Geburtstagsfeier in Zandvoort, Arthur und Tochter in der Ukraine), aber auch leider viel Geschwätziges. Frau Paul ist, ich sage dass ohne negative Attitüde, eine Rampensau. Sie hat ein gewisses Geltungsbedürfnis über der Norm, was aber einfach auch sein muss – sonst kann man nicht künstlerisch kreativ sein! Alleine über Rezepte zu schreiben, das hat ja noch nichts Extroviertes. Sie hat damit sowas wie einen Personality-Foodblog entwickelt. Dabei ist sie der Überzeugung, dass Ihr Erfolg auch durch die persönlichen Anekdoten im Blog geprägt ist. Ich glaube einerseits ja, manche Leser/innen zieht dass magisch an – aber letztlich hat sie ja dann doch etwas mit Rezepten getan – und da teilt sich Spreu vom Weizen. Ich bin da ehrlich gesagt etwas skeptisch, aber sicher hat sich durch diese Geschichten mit dem ein oder anderen Blogleser dadurch ein intimes, sogar emotionales Verhältnis entwickelt. Zu mir irgendwie schon – obwohl wir uns nie begegnet sind.

So ist also dass Leben der Foodblogger: Einige “Kochverrückte” (begeisterte wie manische) sind quasi seit dem Beginn des Foodblogs mit Ihr bekannt, da baut sich eine (virtuelle) Beziehung auf. Manchmal ist das des Gutem aber auch zuviel, ich habe an vielen Stellen leider etwas geblättert. Einiges ist irgendwie schön für das eigene Tagebuch, aber belanglos für uns andere Menschen – wir brauchen ja auch noch etwas Platz…. Wäre ich der Lektor gewesen, ich glaube ich hätte ziemlich brutal knapp 50 Seiten gestrichen von den 279 Gesamtseiten – und ihr gesagt: Gute Sachen, aber dass ist für das nächste Buch! Das wird sie nicht freuen, so ein Buch ist eine Heidenarbeit und das eigene Baby. Ich will da auch nicht gemein sein, aber hier ein langer Beitrag zum Thema “verdichtete Arbeitswelt”, da Ihre Gedanken zur Ethik des Tieres und der industriellen Lebensmittelproduktion, dann noch was zur gelungenen Promotion bei einem Cebit Event Ihrerseits, etc., etc. irgendwann sprengt das Universum Astrid Paul eben den Buchdeckel rand.

Wenn auch wohl keine Fortsetzung dieses Buches, aber von Ihrem Blog werde ich weiter jeder ihrer Zeilen aufmerksam lesen. Vor allem dann, wenn es um die Wurst geht: das Essen! Wenn mich da etwas langweilt, click ich es einfach nicht an. Glaube ich aber eher nicht, denn im Blog stehen viele tolle Tipps, Kniffe und neben weiterem Foodporn vor allem kreative, handwerklich austarierte und genußversprechende Rezepte. Und um die geht’s ja irgendwie dann doch, beim Foodbloggen.

Arthurs Tochter kocht

One Comment

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