Bitte nicht naiv sein bei Social Media

Die Debatte um Regulierung wird in sozialen Medien binär und simplifizierend geführt. Der typische Kleinkrieg in den Kommentaren. Das Problem ist aber zu existentiell, um es klein zu reden.

Es geht darum, ob wir als pluralistische Demokratie noch kontroverse Meinungsbildung erleben. Wenn der vernunftbasierte Diskurs kaputt ist, ist es auch die Gesellschaft. Sie findet so keine Lösungen mehr und dreht sich im Kreis um innere Konflikte.

Autoritäre Denkschulen in sozialen Netzen (Blasen) erzeugen ein paralysierendes Chaos. Die Technologie war stets schneller als kluge Regulierung. Weder der Markt (US-Ansatz) noch Überregulierung (EU als DDR 2.0) lösen das Problem.

Der Schaden ist unübersehbar: Gehirnwäsche statt Widerspruch. Kinder halten Kontroversen nicht aus, im Wohlgefühl verhalten sich alle wie narzisstische Autisten, die immer Recht haben und keinen Widerspruch ertragen. Aber den braucht es.

Kluge Regulierung ist unumgänglich und die Philosophie hat vorgedacht. 1981 legte Jürgen Habermas die “Theorie des kommunikativen Handelns” vor und erweiterte sie später um digitale Aspekte. Seine Theorie verlangt, dass alle Stimmen in der öffentlichen Meinungsbildung faires Gehör finden müssen.

Algorithmen haben alle Ränder gedreht, die Mitte leise. Die Kommerzialisierung und süchtig machende Gimmicks wie Endlos-Scrolling verkauft uns Hass wie süße Brause. Gehirnwäsche statt Diskurs. KI-Fakes sind Next Level Manipulation. So kann es nicht weitergehen.

Das Experiment begann mit Facebook. Ab 2008 nutze die Linke NGOs, zensierte und “moderierte” Meinungen (Correctiv). Alles für die „gute“ Meinung. Das half Obama, dann folgte Trump als rechtes Gegengift. “Die Linke” nutzt Polarisierung aus wie die AfD, das Phänomen hat weltweit Fahrt aufgenommen.

In der Corona-Isolation verbreitete sich die radikal-marxistische Wokeness wie ein Virus. Unrecht wurde zu einer Frage von Moral, Cancel-Attacken statt Recht. Widerspruch verboten. Das war der Höhepunkt der linksradikalen Wahns. Trumps zweiter Wahlsieg ist die maximale Gegenreaktion darauf. Als Transaktivisten in die Frauenumkleiden drangen, stieg der Hass auf alles Fremde an. Etwas Krieg plus Inflation, Trump war erneut gewählt. Und weiter geht das Chaos.

Soziale Netzwerke bevorzugen Binarität. Das emotional-aufgepeitschte Treiben nennen sie „Engagement“. Eine vernunftbasierte Willensbildung braucht aber fairen Austausch. Ohne diesen streiten wir ewig Schlachten der Vergangenheit, battlen uns noch 2453 um “richtigen” Sozialismus vs. Kapitalismus. Wir kommunizieren wie Autisten, die keinen Widerspruch ertragen (“How dare you!”). Gesunde Erwachsene müssen Kontroversen aushalten, sonst hören wir auf zu denken.

Ich sage das als Demokrat und Startup-Gründer für soziale Netzwerke in Unternehmen (Mitarbeiter-Apps): Kommunikation in sozialen Netzen braucht Strukturen, die der kommunikativen Theorie der Demokratie und der Ordnung dienen. Nicht den Zuckerbergs, Trumps oder Reichinneks.

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