Gabriele Krone-Schmalz: Eine Frisur läuft Amok

krone-schmalzFrau Krone-Schmalz machte einst, es ist mehr als zwei Dekaden her, mit einer kommunistischen Vorzeigefrisur auf sich aufmerksam. Mit der Sichel gezogene Halbrunds über jedem Auge blickten ruhig und konzentriert in die Kamera. Jeden westlichen Modetrend ignorierend war sie die Ikone des intellektuell-feministischen Sozialismus im WDR, tätig als Korrespondentin des ersten deutschen Fernsehens, die die Politik des Zentralkomitees mit idyllischem Blick auf den verschneiten Kreml erklären durfte. Andere munkeln, die Frisur sei nur eine misslungene russische Interpretation des Twiggy-Looks, der Chic der werktätigen Frau zu Vodka, Soljanka und Borscht. Wie dem auch sei, besorgniserregender als die Frisurmode, die Frau Krone-Schmalz zur Marke machte, sind neuerdings die Gedanken, die sich unter Ihrer Frisur verselbständigt haben. Und mit Ihrer Ruhe ist es auch nicht mehr weit her.

Gerne zur besten Sendezeit in der ARD, bei Jauch oder wie es gestern bei “Maischberger” der Fall war, ist sie die personifizierte Erregung. Dort propagiert sie die schlichte These, die mittlerweile unverrückbare Wahrheit für sie geworden ist: Nicht Russland sei Aggressor in der Ukraine, sondern der böse Westen! Dieser habe Putin in den letzten Jahren den freundschaftlichen Eintritt in westliche Bündnisse verwehrt. Aus Notwehr gegen NATO und CIA musste der gute Vladimir die heilige russische Krim wohl oder übel annektieren (war ja Stützpunkt der Schwarzmeerflotte) und Sorge tragen, dass sich nicht noch mehr CIA-Marionetten und Faschisten in seinem Vorgarten breitmachen (wie jüngst in Donetsk). Der böse Kapitalismus, ja, Onkel Sam selbst, sei schließlich dabei sich weiter im Osten auszudehnen. Geleitet vom Wunsch die Wiedergeburt des starken Russlands nach dem Fall der Mauer zu verhindern und den gierigen Kapitalismus durch neue Opfer zu befriedigen. Gorbatschow und Jelzin, diese Grabträger der UdSSR, werden durch den russischen Buben Vladimir im linkischen Schritt aus der schmachvollen jüngeren Geschichte getilgt. In der Ukraine müsse man gewzungermaßen ein Exempel dieser neuen russischen Stärke statuieren, was habe man auch sonst für eine Wahl gehabt.

Nichts kann weiter von der Wahrheit entfernt sein, nichts passt besser in die russische Propaganda. Halten wir ein paar Fakten fest: Trotz der russischen Guerilla-Taktik hat die Ukraine in 2 Revolutionen und der OSCE nach in 2 legitimen Wahlen, 2004 und 2014, Ihren freien Wunsch geäußert, sich an westlichen Gesellschaften zu orientieren und nicht Vasallen der Russen als Präsidenten zu stützen, die zudem auch noch korrupt sind. Man hat russische Vasallen und Kleptokraten vom Hof geschickt und dabei sogar zahlreiche zivile Opfer auf dem Maidan in Kauf genommen. Mag es auch unschöne Begleiterscheinungen wie faschistische Kämpfer und kleptokratische Oligarchen auf der Seite der Russland-Gegner gegeben haben; die Mehrheit der Ukrainer hat sich deutlich gegen das russische Modell entschieden, Abhängigkeit vom russischen Erdgas zum Trotze. Der Nachbar Polen zeigte den Nachbarn in der Ukraine nur allzu deutlich auf, welchen Wohlstand, welche Qualität der parlamentarischen Demokratie, der Justiz, der Presse und welche zivile Offenheit Gesellschaften erlangen, die die Annäherung an die USA und vor allem die EU suchen.

Russlands alte KGB-Clique um Wladimir Putin ist nicht bereit, dass zu akzeptieren. Auch Ihre Freundin Krone-Schmalz nicht, sie redet von irrlichternden Separatisten, Gangstern und Freischärlern, die auch für Russland schwer zu kontrollieren seien. Die Situation ist viel komplexer und natürlich ginge es nicht um eine Destabilisierung der Ukraine. Wo letzteres schon ziemlich kühn ist, sticht das Argument der unkontrollierbaren Rebellen nicht, denn ohne russische Unterstützung mit FSB-Spezialisten, Elitetruppen und schweren Waffengeräten würde die Ukraine über kurz oder lang die Kontrolle über diese Region wie Krim zurückerlangen. Destabilisierung ist da für Russland weiterhin opportun und Krone-Schmalz ist hier die gefährliche Frisur, die russische Machtpolitik als Friedenspolitik demaskiert. Die Ukraine ist kein lokaler Guerillakrieg, sondern die Umorientierung der Ukraine gen Westen in den letzten Dekaden stellt vor allem das russische Herrschaftssystem in Frage. Dieses System basiert auf dem Denken des kalten Krieges, dass von geopolitischen Pufferstaaten und Interessensphären geleitet ist. Es ignoriert wirtschaftliche Bündnisse und hat einen ethnisch-nationalistischen Narrativ entwickelt, nachdem Russland heilig sei, der Westen hingegen schwul, gierig und pervers. Dass Russland in G8, G20 und Assozierungsabkommen mit der NATO und der EU ständig zahlreiche Möglichkeiten hatte, sich selbst zu modernisieren, wird schlicht verschwiegen. Als sei sie eine Epigone der Verschwörungstheoretiker um Ken Jebsen oder Publizistin de Kopp-Verlages, ist Frau Krone-Schmalz überzeugt wie Beton, dass alles als gesteuerte Propaganda des Westens zu entlarven ist. Man habe die Chance, Russland in ein friedliches Europa einzubinden, wissentlich und fahrlässig verpasst, weil man vor allem keine Rücksicht auf den verletzten Stolz der russischen Seele genommen habe. Nun müsse man sich der militärischen Allmacht Russland entgegenstellen, dass seien die Verantwortlichen selbst schuld, so Krone-Schmalz.

Verlieren tut gerade Russland. Nicht nur an Ansehen in der Welt, vor allem die Wirtschaft beginnt zu trudeln. Mal davon abgesehen, dass Russlands Wirtschaft seit jeher unproduktiv und ineffizient ist, bleibt sie abhängig von Öl- und Gasexporten. Die Wirtschaft ist zur besseren Kontrolle unter opportunistischen Oligarchen aufgeteilt, dass politische System totalitär und tritt Presse- und Menschenrechte mit Füssen. Frau Krone-Schmalz ficht das nicht an, sie vermarktet ihre Einsichten, Blogs und Bücher zur besten Sendezeit und will vor allem den Frieden. Die extreme Linke und neuerdings die Nörgelsachsen rund um die rechtspopulistischen Stahlhelmströmungen stimmen ihr da begeistert zu. Alles sei vom CIA inszeniert, die eigentliche Aggression komme aus dem verkommenen Washington, Welthauptzentrale ungerechter Kriege auf dem ganzen Globus. Und eigentlich verrät auch Krone-Schmalz und Ihre Unterstützer damit, dass sie vor allem selbst im alten Ost-West Denken des kalten Krieges gefangen ist.

Während man sich im kalten Krieg aber nicht endgültig für die Siegerseite entscheiden musste, sich den Sieg des Kommunismus oder die Niederlage des Kapitalismus noch heimlich wünschen durfte, sind diese Zeiten heute vorbei. Die UdSSR ist implodiert und Ihre Reste scheinen zu zucken wie ein schwer zu erlegendes Ungeheuer. Die Ukraine will frei sein, Ihr Schicksal will sie selbst bestimmen. So wie Deutschland, Ungarn, Tschechei, Slowakei, Polen und andere Länder nach Ende des kalten Krieges ihre Souveränität erlangten, so will auch die Ukraine souverän sein. Selbst entscheiden, welche wirtschaftlichen Bündnisse sie nutzt. Was für eine Art Gesellschaft sie ist und welchen Verteidigungsbündnissen sie sich anschließt. Dass ist ihr gutes Recht, gerade Deutschland muss jeden Staat ermuntern, der diesen Weg betreten will. Russlands System scheint an der Adaption an den Westen zu scheitern, es passt sich nicht an die neue Zeit an und ist offenbar als dass, was es ist: ein Relikt des kalten Krieges, gefangen in einem alten Denken. Das ist gefährlich, aber langfristig ist es das vor allem für Russland selbst. Es wäre gefährlich, wenn Russland selbst instabil wird, gerade weil es noch soviele Waffen aus Zeiten des kalten Krieges besitzt. Aber Russland in eine neue Zeit zu begleiten ist sinnvoller, als Russland weiter bei seinem Weg in den Untergang zu bestärken mit Argumenten eines Propagandakrieges.

Das Zeugnis des Elends der Krone-Schmalz in der Mediathek

2 Comments

  1. ein heimlicher Fan says:

    Sehr neutraler sachlicher Artikel. Sie sehen die Welt so, wie sie wirklich ist! Ich finde gut, daß sie sich an die Darstellungen der Qualitätsmedien halten.

    ehrwürdige Grüße
    ein heimlicher Fan

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