Marius Bercea, 1986, Oil and Acrylic on Canvas, 2016

Marius Bercea: 1986 (2015) and Untitled (2016)

Marius Bercea, 1986, Oil and Acrylic on Canvas, 2016
Untitled, Marius Bercea 2016, Oil on Canvas

Untitled, Marius Bercea 2016, Oil on Canvas

“Marius Bercea (b.1979) was born and grew up in Cluj, Romania, where he still resides. Following from the 1989 Romanian Revolution, Bercea experienced the shift from Communism into a Capitalist free market economy. The artist’s practice is coloured by this moment in time, when polarised ideologies collided and the stark divisions between East and West softened. Deriving from this context, modernist architectural forms have continually pervaded Bercea’s pictorial space, seeming science fiction-like in their extended imaginative potential. Signifying histories of both liberation and oppression, colossal structures originally intended by the likes of Le Corbusier for modern urban living are represented as having been corrupted by post-war fascist regimes to signify state supremacy. The artist’s works are highly distinctive, as memory, recollection and reality seemingly merge upon the canvas’ surface giving rise to a visual sensuality that has made Bercea one of the leading artists of the Cluj School.
Bercea has also been described as one of the strongest colourists of his generation. Colour is applied with force: a flash of orange or a scrape of ochre butts up against an energetic mix of vibrating vivid greens; a lick of sumptuous brown is delicately laced with a dappling of white. Bercea understands the impact of the push and pull necessary to make a painting resonate. Fast-paced strokes are offset with steady washes and the consistency of his paint is varied; thin translucent areas are complemented by thick opaque mark making. At times buttery and fully suspended, at others sand-paper dry, his grounds are as interesting to examine close up as from a distance.

The artist’s most recent paintings are born out of Bercea’s travels from his hometown of Cluj, through the rural landscape of California and into Los Angeles. A series of psychological and sensorially-rich encounters that weave through time, space and memory. With a pastiche of iconic motifs recognisable from both Romanian and American cultures, canvases depict landscapes of colour and concrete which oscillate between suggestions of utopia and dystopia. The topographical regions of Transylvania and California merge; the city of Cluj and its surrounding Carpathian mountains converge with sun-soaked environments, from the lonely Mojave desert to Hollywood’s hills and bright lights.

While socio-political references clearly influence Bercea’s practice, the artist presents himself as an emotional observer of the effects of the consumerist phenomenon. Often verging on the surreal, Bercea combines sublime visions of the natural world with the jarring electric lights and sprawling architecture of urban developments. Vibrant landscapes slip in and out of immediate focus as urban life is conveyed in a wash of dynamism and transience – fluctuating between the utopian and dystopian, between flux and stasis – thus blurring the boundaries between reality and imagination.”

Das waren die Worte seiner Gallerie. Ich füge mal meine eigenen an….

Marius Bercea fügte ich schon 2016 in meine Sammlung hinzu und dennoch habe ich die Werke kaum gezeigt. Zeit das nachzuholen. Marius lernte ich im Frühjahr 2016 in Cluj kennen als einer der vielen Künstler, die die Fabrica de Pensule als Atelier nutzten. Bei einem Abendessen wurde er mir vorgestellt, dennoch war der erste Kontakt eine Verwechslung. Eine meiner Gehirnwendungen legte Marius beim ersten Kontakt als örtlicher Reiseführer an, vielleicht weil er der englischen Sprache so mächtig war, was in Rumänien auch heute noch nicht selbstverständlich ist. Spätestens beim Atelierbesuch klärte sich dieser Irrtum auf und ich war peinlich berührt, denn den vermutlich damals schon renommiertesten Maler der Cluj-Gang kannte ich nicht. Damals bereitete er eine Vielzahl von Werken für eine Ausstellung bei Ghebaly in Los Angeles vor. Die Show war ein echter Triumph und ich war damals schon ziemlich geflasht von seiner profunden Art mit Farben zu arbeiten. Damals fügte er Acryl in seine Ölwerke ein und erreichte ein neues Farbenspiel, dass die Eindrücke seiner Kalifornienbesuche verarbeitete. Neon und Halogenfarben fügten sich ganz neu in die vorher sehr düsteren Werke. Seine Motive spielten nicht mehr soviel mit der sozialistischen Vergangenheit, er entwickelte Phantasiearchitekturen und vermischte Eindrücke seiner direkten Umwelt mit denen der eigenen Vergangenheit, Träumen oder aber kalifornischen Settings. Marius war enorm produktiv und in seiner Persönlichkeit war damals Angst ein beherrschendes psychisches Motiv. Die Zeit vor dem Kollaps des Regimes erschien in der Nachbetrachtung wie ein Alptraum, Marius Familie lebte in politischer Isolation und fürchtete die Repressionen der Securitate. In späteren längeren Gesprächen begriff ich erst, welche Narben dieses Regime hinterlassen hatte und dass Marius damalige Überlegungen, vielleicht auszuwandern oder in der Schweiz zumindest Geld in Sicherheit zu bringen, von echter Angst getrieben waren. Diese Angst ist erst nachvollziehbar, wenn man wie er den Kollaps eines Systems erlebt hat. Auch beschäftigte ihn die nahende Geburt seines ersten Kindes, ich versprach ihm dass die Geburt seines Sohnes ihm nicht nur einen neuen Horizont eröffnen würde, sondern die Zeit ängstlichen Grübelns positiv reduzieren würde.

Marius Bercea, 1986, Oil and Acrylic on Canvas, 2016

Marius Bercea, 1986, Oil and Acrylic on Canvas, 2016

Ohne ihn persönlich jüngst wieder getroffen zu haben sehe ich schon an seinen Instagramposts, wie vernarrt er in seinen Sohn ist und wie ihn auch der Erfolg in gewisser Weise beruhigt hat und eine neue Phase auch künstlerisch einleitet. Die ersten Werke erstand ich dann im April 2016 in London bei Blain/Southern, letztlich auch durch den freundschaftlichen Kontakt zu Adrian Sutton (Direktor), der ein unheimlich netter und interessanter Gesprächspartner ist. Die ersten 2 Werke sind die Ölarbeiten “1986” (verarbeitet die Tchernobylkatastrophe) und “Untitled”, welches nicht nur den typischen Himmel über Cluj in seiner Farbenpracht präsentiert, sondern auch viel über ihn als Künstler erzählt in der Darstellung einer sozialistischen Phantasiearchitektur (“build to enslave people, not to free them”). Marius zählt zu den bedeutendsten Colouristen seiner Generation und im Kontakt mit den Originalen wird klar, wie sich die Wirkungskraft dieser Farbpalette auf den Betrachter auswirkt.

Marius hatte mittlerweile die Fabrica verlassen und ein neues Atelier in einem Altbau bezogen, dass ihm mehr Ruhe und räumliche Ausdehnung für seine intensive Arbeit ermöglicht. Seine erste Retrospektive in Cluj 2017 “A Full Rotation of the Moon” illustrierte seine ganze Schaffensbandbreite auch auf Papier und ohne Öl. Im Februar 2018 erwarten wir eine neue Show in Berlin, ich bin schon sehr gespannt und voller Vorfreude!

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