Der ultimative Vergleich der Premium-Lastenräder: Urban Arrow Family vs. Riese Mueller Packster 70

Sie sind eine junge Familie und interessieren sich für ein E-Cargobike? Check! Und wissen nicht so recht: Ist es das Urban Arrow Family (kurz UA) oder nicht doch das Riese & Müller Packster 70 (kurz R&M) ? Check, Check! Da kann ich Ihnen helfen. Wir sind auch eine junge Familie mit 2 Kindern (3 und 7 Jahre alt). Wir haben beide Räder jahre- bzw. montatelang im Alltag gefahren und kennen Sie in- und auswendig. Und berichten nur zu gern! Check, Check, Check? Dann viel Vergnügen beim Lesen!

Es ist eigentlich wunderbar: Seit Monaten fragen fremde Menschen an der Ampel und angenehmerweise darunter erstaunlich viele Mütter: Ist das Rad gut, dieses Packster 70? Taugt die Box was? Oder ist das Urban Arrow besser? Ich bin da möglichst ehrlich mit der wichtigsten Antwort: Fahren Sie es selbst einmal, das macht den größten Unterschied! Nichts geht über den eigenen Test. Und doch, es gibt große Unterschiede und einige fallen einem erst nach längerer Fahrzeit auf. Und der subjektive Vergleich fällt auch hier am Ende überraschend aus – das günstigere Rad erweist sich hier als das Bessere, soviel sei verraten.

Die Geschichte: Warum ein Lastenrad und unser Weg zum Urban Arrow Family

Seit 2016 fahre ich ein E-Cargobike und es ist nicht zu kurz gegriffen: Es hat mein Leben verändert und verbessert. Wir sind eine Familie mit 2 Kindern und leben in Köln ziemlich zentral. Gebürtig komme ich aus dem Münsterland, einer Fahrradregion, also war für mich das Rad von Kindesbeinen an lange Verkehrsmittel No.1 bis es nach Studium/Beruf vom Auto abgelöst wurde. Seit ich in Köln lebe, ging die Autoliebe aber verloren. Ich war mit Geburt meiner Tochter entnervt davon, jeden Tag zur Tagesmutter über den Ehrenfeldergürtel zu kutschieren und im Stau zu stehen, der gefühlt jeden Tag schlimmer wurde. Mir fehlte frische Luft und Bewegungsmangel ist sowieso eine typische Zivilisationskrankheit, die ich teile. Mit dem normalen Rad zu fahren stellte sich als nicht so eine grandiose Alternative heraus, denn es waren fast 12km Kilometer zu Tagesmutter der Wahl und von da aus zum Büro; Fitness hin oder her, mit Kindern auf Kindersitz oder Anhänger ist das schon ziemlich anstrengend. Als ich dann die ersten E-Cargobikes genauer wahrnahm, änderte sich mein Blick auf diese Fahrradkategorie, die ich vorher für eher skuril empfand. E-Bikes waren für mich bislang gefährliche Rentnerturbos, ein Käse hoch zehn! Bis ich ein E-Mountainbike selbst gefahren bin. Das war einfach nur irre cool. Es potenzierte das normale Radfahrerlebnis einfach nochmal. Das Sein änderte also das Bewußtsein. Gute E-Bikes begeistern gerade Menschen, die auch vorher immer gerne Fahrrad gefahren sind. Die Kategorie E-Cargobike ist immer noch recht neu und wälzt vieles um, was es ohne E-Motor so nicht gab. Und was einfach nicht denkbar war mit einem Rad. Es gibt so viel mehr Reichweite, angenehme Bewegung ohne Erschöpfung (immer im aeroben Bereich trotz Hügeln!), wirklich viel Speed (Fun!), viel Zuladung und sogar 3-4 Kinder können gleichzeitig mit! In der Großstadt ist ein E-Cargobike in vielen Punkten sogar überlegen und vor allem: NIEMALS STAU! Geschonte Nerven, Bewegung und bessere Kondition. Und das funktioniert mit der richtigen Kleidung bei jedem Wetter. Das ökologische Argument ist natürlich nicht zu vergessen, die CO2 Bilanz geht teils gen Null. Für viele ist das CO2 Argument von großem Gewicht in der Anschaffung und deswegen fördern es viele Länder und Städte mit teils bis zu 50% der Anschaffungssumme. Da kommen viele ins überlegen, aber ich gestehe, dass ökologische Argument jetzt eher ein schöner Nebeneffekt unserer Entscheidung für ein Lastenrad. Schöner ist so oder so der Effekt aufs Portemonnaie, denn ein Auto ist im Vergleich halt unheimlich teuer, selbst wenn das Auto nur rumsteht kostet es – das Lastenrad muss nicht versichert werden und kostet keine Steuern.

Ergebnis also in 2016: Ich wollte eine Testfahrt. Sofort! Kandidat 1: Ein Riese Müller Load, weil im Angebot bei meinem Lieblingsradladen in der Südtstadt. Es gab damals nur das Load in der 60er Version und es fiel aus mehreren Gründen durch. Meine Tochter mochte die Box nicht und ich konnte mich trotz interessanter Technologie wie der Vollfederung nicht dem Design und Sitzposition auf dem Rad anfreunden; das Design des Load mit seinen Holzplanken und offenem Rahmengestell finde ich bis heute „speziell“ – sicher ein gutes Rad, aber nicht mein Geschmack. Genauso kamen nicht die Bikes von Babboe in Betracht, die so um 2016 wohl noch der Marktführer waren: Schwere Stahlrahmen, ebenfalls die unpraktische (aber schicke) Holzbox (doch was passiert beim Unfall?) und wie man schnell von Fahrerinnen auf den Spielplätzen mitbekam viele Qualitätsprobleme bis hin zum Rahmenbruch. Testfahrt No.2 war dann mit einem Urban Arrow Family. Kleiner Ritt – und gleich verliebt. Absolut unkompliziertes Fahren, kein Gewackel und schon in der Testfahrt bewies es seine Vielseitigkeit und Alltagstauglichkeit, als wir direkt einen Großeinkauf gemeinsam bewältigten. Damals in 2016 gab es noch keine Förderung, somit waren etwa 5000 € zu bezahlen und das war viel Geld. Das Urban Arrow hat sich aber dann mit hoher Zuverlässigkeit revanchiert; es war in jedem Falle sein Geld wert. Es war eine intuitiv richtige Entscheidung nach der Probefahrt direkt zuzuschlagen und mehrere tausend Kilometer fuhren wir damit. Selbst den Winter durch blieb das Rad nie stehen – heute schaue ich leicht arrogant auf die Schönwetterfahrer nieder, es braucht halt das richtige Rad und Ausrüstung, vor allem aber den Willen. Und dann geht’s!


Abbildungen: Dies war der erste Vergleich beim ersten Kauf, damals gab es von R&M das kurze Load 60 und eben das UA Family, dass die Wahl damals für sich entschied.

Es kam dann in Folge sogar zu der früher undenkbaren Entscheidung, dass wir uns von einem Auto im Haushalt getrennt haben – ohne jede Einbußen an Lebensqualität, im Gegenteil. Das kann natürlich nicht jeder, aber wir konnten es und die paar Male, wo wir dann doch ein Auto brauchten halfen Sharing Dienste wie ShareNow & Co. uns weiter. Wir haben ganz neue, großartige Touren auf dem Rad unternommen mit den Kindern. Wir fuhren im Alltag und am Wochenende, teils einfach nur so durch die Nachbarschaft, weil es so schön war. Und es gibt so ein paar Momente in meiner Erinnerung, wo ich mit den Kindern, die vergnügt in der Box sitzen und lachen, durch eine schöne Landschaft brause und diese ganz intensiv wahrnehme. Der Kontakt zur Natur, all die Düfte und Intensität der Bewegung, all das gibt es mit dem Auto so nicht und es waren einfach sehr glückliche Momente, die ich nie missen möchte. Wer hätte das gedacht, dass uns sowas durch das Lastenrad alles möglich wurde. Die Staus, die ich stattdessen meiden konnte, vermissen wir garantiert nicht.

Achtung: Lastenräder sind nicht nur große Fahrräder

Wer sich ein Lastenrad anschafft, der muss aber auch im Blick halten, dass das etwas anderes ist als ein größeres Fahrrad. Für viele in der Großstadt ist das erste Problem: Wohin damit, wo parken? Wir hatten das Problem so wirklich nicht und manchmal löst es sich, wenn man es lösen will – denn eigentlich reicht ein Metallzaun in der Nähe, eine Straßennadel o.ä für ein schweres Schloss, um gut gesichert nachts ruhig schlafen zu können. Man braucht sicher keine Garage, das ist nicht nötig. Das Lastenräder öfter geklaut werden als normale Räder scheint mir subjektiv nicht der Fall zu sein. Entscheidend ist kein Ortungsmechanismus mit GPS, sondern etwas, dass den Diebstahl an sich verhindert. Also ein fettes Schloss in der Kategorie 100-150,-€. Dass es schwer ist, ist im Lastenrad kein Problem – denn Zuladung können wir immer unterbringen. Mit einem großen Schloß hat man einfach Ruhe. Auch ein Regencover wie beim Motorrad ist ohne Garage eine gute Idee, denn sonst sieht das Rad nach ein paar Monaten schon etwas abgeranzt aus. Auch muss man wissen: Viele Reparaturen kann man nicht mehr selbst machen, gerade im Bereich der elektrischen Komponenten. Auch sind Reparaturen bei Lastenrädern wie auch bei sonst E-Bikes teurer und regelmäßiger notwendig als bei normalen Rädern. Das unterschätzen einige, aber für 10,-€ braucht man sein Rad nicht zur Werkstatt zu bringen, eine Inspektion kostet schnell auch mal ein Hunni wenn was gewechselt wird. Die Ersatzteile sind teurer, die Intervalle kamen mir recht kurz vor und das Rad kann einen auf den Service gut hin per Display nerven, damit man es auch nicht vergisst.

Also, wer nicht zu Händler möchte, der braucht viel Werkzeug und viel Verstand, alleine um bspw. bei einem Platten das Hinterrad rauszunehmen. Hydraulische Scheibenbremsen, Riemenantrieb, stufenlose Schaltung justieren – das ist nicht so ganz ohne, wenn man das richtig einstellen will. Wnn man mal einen Platten hat, stellen sich bei Lastenrädern ganz neue Probleme: Das Ding passt in keinen Kofferraum! Einmal habe ich das Rad über 7 km zum nächsten Fahrradladen geschoben – das war eine Tortur. Manche Radhändler sind auch unfreundlich und nehmen Lastenräder nicht an, die sie nicht verkaufen – weil sie Ihnen soviel Platz wegnehmen. Ich finde das schon ein starkes Stück, aber was soll man machen, man schiebt weiter. Nach ein paar Jahren wurde ich schlauer, für diese Fälle gibt es mobile Reparaturdiensten für Fahrräder, nicht günstig, aber sehr sinnvoll. Apropos platte Reifen: Die Schwalbe Schläuche, angeblich nahezu unkaputtbar, sind sinnvoll, aber nur eine begrenzte Hilfe; in Köln liegt überall und immer irgendwo Glas wo einer Fete rum. So hat es rund um die Karnevalssession bei mir zuverlässig immer einen Platten gegeben, Schwalbe Marathon hin oder her.

Ein Wort zum Thema Radladen: Unser Radladen, die Bikestation in Sülz, war zwar wirklich nicht nah für uns, aber nahm das Wörtchen Service bei Reparaturen sehr ernst und war kulant, wo immer es möglich war. Generell halte ich es immer für eine wichtige Überlegung, ein Lastenrad regional nah an Wohnung oder Arbeitsplatz zu kaufen, weil man mit Service aus dem Internet bei Lastenrädern nicht weit kommt. Lastenräder müssen viel mehr gewartet und repariert werden als normale Räder – wie bei Lkws ist die Beanspruchung eine ganz andere. Deswegen würde eine Marke, die das Lastenrad nur online verkauft und Service versucht „innovativ zu regeln“ nicht kaufen. Ein gutes Händlernetz, egal bei welchem Rad, ist das A und O. Das hat auch Riese & MÜller, das Radlager in Nippes macht ebenfalls einen sehr guten Job, wenn es um den Service geht.

Wie es zur Entscheidung für ein Riese Müller Packster 70 kam

Wieso ich als zufriedener Urban Arrow Fahrer, der vermutlich so einige andere Ehrenfelder dazu gebracht hat, sich auch eins zuzulegen, auf die Idee kam zu wechseln? Naja, weil ich unbedingt das beste Lastenrad fahren will. Ich habe auch beim Urban Arrow immer wieder mal Defizite festgestellt und mir gedacht, dass man es besser machen kann. Und danach suchte ich. Ich habe das Urban Arrow in fast 5 Jahren doch ziemlich strapaziert und wußte, es wird mir nicht mehr alles verzeihen. Ich bin immer scharf auf etwas Neues und Verbesserungen und es gab 2 Punkte, die ich beim Urban Arrow immer gerne gehabt hätte:

1.) Die starre Frontgabel. Köln hat sehr oft heftige Schlaglöcher und Randsteine, die nicht ordentlich abgesenkt sind. Man kann es auch anders sagen: die Kölner Radwege sind eine einzige Zumutung. Wer die Radwege in Niederrhein, Münsterland oder gar den Niederlanden kennt: Dort ist es kein Fahren – man gleitet! In Köln gibt es dagegen immer ordentlich Schläge und die Gabel ist zwar hierfür sehr robust, geht sicher nicht kaputt, aber ist recht unkomfortabel. Bauartbedingt kann man nicht so einfach eine Federgabel nachrüsten, die Box des UA lässt sich hierfür nicht umbauen. Obwohl es die Federgabeln mittlerweile verbessert für die Cargo-Modelle gibt, für das Family Modell gibt es das leider nicht. Ich habe Händler und Urban Arrow direkt geschrieben mit meinem Wunschzettel, ja mehrfach sogar – auch ein Gummipuffer in der Lenkung oder alternative Formen der Dämpfung wären cool gewesen – aber ich wurde bis dato nicht erhört.Schade!
2.) Sitzposition und Fahrdynamik: Das Urban Arrow fährt wie ein Hollandrad der alten Union – Gazelleart. Man sitzt ultrabequem, aber auch etwas bräsig und kann nicht wirklich Kraft in die Pedale geben. Dynamisch ist das leider kaum. Auch als Mann wirkt man oft wie verloren auf einem Frauenrad, denn so sportlich ist das Rad gar nicht. Auch tritt man entsprechend mit Verlusten in dieser recht steilen Position, auch wenn einen der Motor das fast nicht merken lässt. Das Urban Arrow ist ein langer Gleiter – ein super langes Rad. Es ist eigentlich sehr dynamisch auch in Kurven, also sportlicher zu fahren als es aussieht. Aber so der allerletzte Stein der Weisen war dies dann nicht.

Ansonsten aber, man kann es nicht anders sagen, gab es wenig am UA zu meckern. Und heute weiß ich auch erst, wie viele Designelemente im Urban Arrow durchdachter sind, als sie auf den ersten Blick aussehen. Selbst wenn sie billiger erscheinen, sind sie praktischer.


Abbildung: Mein Kauf im Jahr 2021 wurde das Packster 70 von Riese & Müller – ohne Probefahrt blind bestellt. Na, ob das so clever war?

Ende 2020 sah ich die ersten Infos zum neuen Riese & Müller Packster 70 im von mir gerne geschauten YouTube Kanal von Propel – Bikes (NYC). Witzig, dass kein deutscher Fahrradladen einen derart coolen Kanal hat wie Chris von Propel, denn Amerika ist wirklich kein Fahrradland. Und dann haben die noch einen fancy Clip gemacht, der echt irre schön ist. Ich dachte beim ersten Blick: Wow, das ist es: Endlich hat R&M auch eine EPP-Box! Endlich haben die beim Design begriffen, worauf es ankommt und verdammt, dass Ding hat vorne eine Federgabel und sieht agil aus! Dann kamen ein paar Fancy-Zusatzthemen hinzu: Das zusätzliche Lichtsystem, die zweifach integrierten Powertubes von Bosch (die man sich teuer bezahlen lässt) mit 1250 kwh Leistung und Riemenantrieb von Gates. Ich wollte es einfach haben und zu dumm: Testfahrt nicht möglich. Wegen Corona stockte die Lieferkette und so tat ich etwas, was ich heute etwas bereue: Ich bestellte das Packster 70 blind mit allen Extras. Fast 9.000 € standen auf dem Zettel und ich war sicher, dass ist es: Das perfekte Lastenrad kommt bald zu mir!

Es dauerte nochmal fast 5 Monate, bis es dann endlich da war. Jetzt habe ich die ersten 3 Monate hinter mir, das Urban Arrow hatten wir vorher verkauft. Zeit also zu vergleichen und sich zu fragen: War das eine gute Entscheidung? Und:

Was ist das beste E-Cargobike? Riese & Müller Packster 70 vs. Urban Arrow Family

Wie es sich für einen ordentlichen Vergleich gehört, bilde ich Kategorien und vergebe hierzu Punkte. Damit wird es etwas objektiver und auch klarer. Am Ende werten wir es dann aus und wissen die Antwort.

Design & Konzept – 1:1

Das Urban Arrow nennen die Ehrenfelder Muttis hier gerne „dieses Boot für Kinder“ oder auch „Yacht“. Die Holländer von UA haben eine ikonische Form mit der Box geschaffen, sie erinnert mit Ihrer Geschlossenheit und den Rundungen irgendwie an ein Boot. Auf den ersten Blick wirkt das UA unheimlich solide, Qualität zum Anfassen. Das Design lehnt sich von der Seite an das klassische Design der Hollandräder des Gazelle Urtyps an. Die Sitzposition ist erhaben und bequem. Alles ist einem Adjektiv untergeordnet: Es muss praktisch sein, der Rest ist nebensächlich. Unnützes? Gibt es nicht. Die leicht stromlinienförmige Box des UAs ist aus einem Stück gefertigt mit dem Kunststoff EPP, der auch für die Fahrradhelme verwendet wird. Leicht und sehr stabil, vor allem isolieren sie thermisch gut, was sich im Winter als sehr hilfreich erweist. Und super wiederverwertbar. Besonders auffallend am Design sind die praktischen Details wie das Regencover. Es beweist: Niederländer sind geniale Ingenieure. Denn was Ihnen gelingt ist vor allem die Funktion alltagstauglich zu unterstützen.

Das Urban Arrow: Das kleine Boot im Anflug

Beim Riese & Müller gehen die Ingenieure einen anderen Weg. Sie wollen bestimmte technische Features unbedingt und designen manches, damit es gut aussieht. Aber dadurch gibt es unharmonische Kompromisse und Brüche in der Funktion, insbesondere in der Box. Die Formgebungen sind ganz bewußt weniger rund, sondern eher männlich, sportlich und recht kantig. Technodesign quasi, eher futuristisch. Es wirkt durch die Form der Box und seine nach oben geneigte vertikale Linie super schnell und modern, nicht so feminin und gelassen wie das UA. Das Design ist geprägt durch viele Ideen, Funktionen zu integrieren und aufzuräumen, bspw. weil die 2 super großen Akkus von Bosch unsichtbar im Rahmen verborgen sind. Der neue Bosch Cargo Motor ist derart klein, dass man es beim ersten Hinsehen nicht als E-Bike wahrnimmt. Dabei ist er krass stark mit dem höchsten Drehmoment aller E-Bike Motoren. Der Einstieg ist recht tief, wenn auch nicht so schön tief wie beim Urban Arrow. Der ganze Hinterbau hat so wenig Irritationen und Ablenkung von der minimalen Form, dass man fast an ein Fixie denkt. Riese möchte mit Innovationen in der Box ködern wie einer verstellbaren Sitzbank sowie funktionalen Beladesystem. Die wiederum stellen sich leider als peinliche Fehlentwicklungen heraus, dazu mehr später.

Apropos Regen: Wirklich wenig schlau von Riese & Müller ist das Design der Schutzbleche. Weil man beim Gesamtrad auf extreme Kürze gehen wollte, ist das Vorderrad deutlich stärker in die Box hineingebaut als beim Urban Arrow. Tja, und da passt das Schutzblech nicht mehr zwischen. Was tat man? Man kürzte das Schutzblech ein und bei jedem Regenguss saut das ganze Fahrrad ein. Aber so richtig. Ich habe mir schon angewöhnt, das Rad bei Heimkehr vorne immer abzuspritzen. Wo ich das beim Fronrad aus konstruktiver Sicht noch irgendwie verstehen kann, dass es was mit Fahrdynamik zu tun hat, wenn man das Rad kürzer baut, wieso macht man den gleichen Käse beim hinteren Rad? Dort ist das Schutzblech zum Motor hin nicht lang genug nach unten gezogen worden und spritzt den Rahmen am Tretlager ein. Für mich ist das ein Zeichen von liebloser Qualität, wenn auf sowas nicht geachtet wird. Oder: Man wußte, dass das Design Probleme erzeugt und hat den Trade-Off nicht mehr hinbekommen.

Nun kommt aber der nächste Klops im Design des Packster 70: Es ist doch tatsächlich zu zu kurz gebaut! Vermutlich um noch agiler zu werden, hat man extrem auf eine kurze Bauart geachtet. Diese Enge macht sich bei etwas ganz banalem, aber doch Elementarem bemerkbar: Dem Pedalieren. Wenn man wie ich mit Schuhgröße 44 fährt, haut man mit den Fußspitzen immer wieder an die Box beim Pedalieren. Ich bin mit 193cm sicher nicht klein, aber ich bin auch kein totaler Riese. Und weil die Oberfläche vom Packster an der Box empfindlich ist, hinterlässt das jedes Mal unschöne Spuren. Vollkommen unverständlich für mich, dass man hier die Kürze des Gesamtrads vor dieser zwingenden Bewegungsfreiheit gesetzt hat.

Was also praktische Aspekte des Designs angeht, hat Urban Arrow hier gewonnen, vor allem weil das Design im Alltag immer wieder seine Stärken ausspielt. Ja, das Riese & Müller gefällt mir von der reinen Ästhetik her (weil etwas technisch-männlicher designed ) besser, denn ich ich mag Hollandräder eigentlich nicht wirklich. Aber eine “tolle Biene” ist nichts, wenn der Charakter im Alltag Ärger macht. Das Design des Urban Arrow ist kongenial und im Alltag verbessert worden – es baut auf einer Bakfiets Tradition auf und pfeift deswegen auf bestimmte Merkmale, die vielleicht nicht so cool aussehen, aber dafür einfach funktionieren. Neudeutsch Longjohns, sollte die Bakfiets mal gewürdigt werden als das Alltagstauglichste aller Lastenräderdesigns.


Abbildung: Nein, keine optische Täuschung. Das Riese & Müller hat keinen durchgehend planen Unterboden, da steht Ware schon mal schief in der Luft

Das wichtigste Bauteil eines Lastenrades: die Box 1:2

Beide Räder setzen auf das aus meiner Sicht beste Material für eine Box: EPP. Das Material wirkt wie Styropor, ist aber deutlich fester und stabiler. Bei einem Unfall kann nichts splittern oder reissen, sie isolieren und dämpfen sehr gut. Holz sind EPP Boxen wegen des Gewichts überlegen. Hartplastik ist aus meiner Sicht ebenso keine gute Wahl für die Kinder, die sich an dem Material leidlich abarbeiten. EPP kann zu 100% recycled werden, das ist bei manchen mit Kunststoff bearbeiteten Holzplatten nicht der Fall.

Beim Urban Arrow ist die Box sehr groß und lang geraten. Der Einstieg ist für die Kids mit einem Trittloch zu bewältigen, sitzen Sie einmal, sitzen sie sehr gut geschützt und recht tief, was für die Fahrdynamik einfach positiv ist. Wir haben die zweite Sitzbank geordert, so dass 4 Kinder (3-7 Jahre alt) wirklich gut und vor allem mit großem Spaß nebeneinandersitzen können. Das ist beim Packster nicht möglich, denn obwohl die Box sehr breit ist, fehlt es dem Packster an Länge, die die Kinderbeine eben mitbringen, wenn sie gegenüber sitzen. Das Family hat im Boden ein Aluminiumlochblech, was Dreck (Sandkasten!) und Feuchtigkeit durchlässt. Wir haben einen Kunstrasen verlegt, was etwas schrägt ist, aber so konnte man ganz einfach auch mal Glaslaschen mitnehmen, ohne dass es auf dem Blech schepperte. Die Sitzbank ist beim Urban Arrow sonst ganz einfach, gepolstert und mit Kunstleder überzogen. Meine Tochter findet den Sitzkomfort „mittel“, seit sie im Packster auf dem Textilpadding gesessen hat. Wenn es ordentlich schüttet, ist das der Sitzbank egal, nur Sonnenschein mag sie nicht: Dann heizt sie sich ultimativ stark auf.

Im Packster ist die Sitzbank verstellbar und sogar eine Liegeposition ist möglich. Das ist wirklich gut gedacht, denn Kinder schlafen auf Lastenräder nach all der Vibration gerne mal ein. Da ist es schön, wenn der Kopf nicht einfach hängt, was im Urban Arrow der Fall ist. Was auch deutlich besser als beim UA ist: Meine Tochter und mein Sohn finden die Sitzbank per se viel bequemer, vermutlich weil auch der Rücken ausgepolstert ist. Wir müssen nur drauf achten, dass wir das Padding nie dem Regen aussetzen, denn es saugt sich sonst auf wie ein Schwamm. Der Nachteil ist allerdings auch mit dem Vorteil verbunden: Der hellgraue Stoff heizt sich nicht so stark auf, wenn das Rad mal ne Zeit in der Sonne gestanden hat.

Eigentlich müßte deswegen das Packster hier doch gut Punkte machen, oder? Tja, so gut die Idee der verstellbaren Sitzbank ist, so bescheiden aber die Ausführung: Ich habe das Packster jetzt 3 Monate und die blöde Sitzbank ist zum dritten Mal hinüber. Das ist auch kein Wunder, denn das Design ist absolut nicht belastbar. Das liegt vor allem an dem billigen Chassis des Sitzes, der weder Führungsschienen noch Verstärkungen hat. Auch die Fixierschrauben für die Verstellung, die mit einem abenteuerlichen Zugmechanismus verstellt sein sollen – sagt mal, habt Ihr das zum ersten Mal gemacht? Das hält doch nie im Leben ein Radleben lang. Und wenn man einmal den Sitz hebt, ohne dass die Fixierschrauben gelöst sind? Dann reißt das Ding in zwei Teile. Ich weiß noch, wie in einem Video einer der Ingenieure so stolz darauf hingewiesen hat, dass man jetzt quasi Elemente aus Kindersitzen für Pkws übernehme und da Erfahrung habe – tja, so solide designed wie das für ein Fahrrad sein sollte, ist das aber nicht.

Von derlei Überraschungen waren wir beim Urban Arrow immer verschont. Besonders auffallend am Design sind die praktischen Details wie das Regencover. Es beweist: Niederländer sind geniale Ingenieure. Das Cover ist ein zeltartiges Stangensystem und ist super einfach zu demontieren. Einmal gesehen, kriegt das jeder hin. Und es ist noch schneller montiert, wenn es denn sein muß. Bei Seitenwind und Regen ist es so sehr flexibel, dehnt sich quasi aus dem Wind und gefährdet nicht die Stabilität. So wie ein Iglu-Zelt ist einfach viel Toleranz eingebaut durch diese Flexibilität. Das Netzmaterial im Rücken des Covers gibt den Kindern nie das Gefühl eingesperrt zu sein, sorgt für Zirkulation und wir können uns miteinander unterhalten. Man ist auch noch super geschützt als Fahrer bei Regen, die Beine werden nicht so schnell nass. Richtig cool die Kombi mit dem Poncho, die man in Holland auch bei normalen Radfahrern oft sieht, hier aber eher unbekannt ist: An das Regencover geklettet ist man absolut trocken selbst bei Starkregen. Einfach genial. Mittlerweile gibt es noch eine vergrößerte Version des Regencovers, die man auch seitlich öffnen kann. Auch ein interessantes Extra, wenn man öfter mehr als 2 Kinder transportiert. Man darf sagen: Die Niederländer können Regen!


Abbildung: Das war unser Family (2016-2020) mit dem genialen Regencover & einigen Modifikationen über die Zeit, die so kamen: Gefederte Sattelstütze, “Hamburger-Klingel”, besseres Lichtsystem, Reflektorstreifen und andere Details

Riese & Müller hat wie das Urban Arrow jetzt eine EPP-Box, aber nicht aus einem Guss. Die Box ist sehr breit, deswegen können 2 Kinder wirklich sehr komfortable dort sitzen. Nach vorne hin ist die Box aber viel kürzer, so dass der zusätzliche Platz für einen dritten Sitzplatz zwar nach Aufpreisliste möglich, aber unrealistisch ist. Das Beladevolumen ist dennoch hoch, so dass ein großer Einkauf immer noch gut möglich ist. Die Kinder sitzen aber sehr tief und die Sitzbank liegt quasi auf dem Rahmen auf, was viel Stauraum klaut. Am Ende führt kein Weg drum, es passt einfach viel weniger rein in ein als in ein Family. Besonders ärgerlich ist das Design des Unterbodens: Weil die Akkus jetzt im Rahmen sind, ziehen sich die zwei Rohre in der Box durch den Boden und das Kunststoffblech darunter ist tiefer gesetzt. Setzt man so wie ich einen Bierkasten drauf, passt das nicht, die Bierkiste steht schief. Was soll das Bitte? Den Kindern ist es egal, dass Sie ein Bein immer anders anwinkeln müssen, der Sitzkomfort des Paddings reißt es für Sie auf der Sitzfläche raus. Im Urban Arrow scheint man solche Designfehler wie einen ungleichen Unterboden vermieden zu haben, der Boden ist plan, die Kiste passt und fertig.Beim UA ist der Boden zudem gelocht, während Riese & Müller nur 1 kleines Loch vorsieht, sonst ist alles flächig geschlossen. Und wozu führt das? Den Sand aus dem Kindergarten kann man jetzt mit dem Staubsauger aus der Box holen oder gar nicht. Flüssigkeit steht viel zu lange in der Box, ob jetzt Regen oder Limo. Und siehe da: Weil genau dass der Fall ist, fängt das Riese & Müller jetzt auch noch an zu rosten – nach 3 Monaten (!). Ich weiß nicht, wie man da schlafen konnte – einerseits weil die Entwässerung nicht funktioniert, andererseits weil man einfach keine Nirosta-Schrauben im Regal hat?

Riese & Müller hat natürlich auch ein Regencover wie das UA, aber es zeigt hier, dass die Deutschen immer noch nicht verstehen, wie man das richtig macht: Das Dach ist aus robusten, aber schwerem Codura, das mit der Zeit bleicht (schon nach 3 Monaten beginnt es sichtlich Spuren zu bekommen). Warum wählt man kein Material, dass etwas besser beschichtet ist? Es ist umständlich zu montieren, weil man eine Lippe einfädeln muss. Im Vergleich zum UA ist das Dach sehr kompliziert in seinen Einstellmöglichkeiten, die mit Klett realisiert werden. Besonders nervt mich: Jedes Mal, wenn die Kinder einsteigen, bin ich gezwungen auszusteigen und vorne links und rechts das Cover nachzuziehen, weil es sonst nicht formbündig schließt. Das kann beim UA nicht passieren, weil die Box ja gerade ist. Beim Packster 70 gibt es kein Netz, entsprechend fühlen die Kinder sich bei den ersten Sonnenstrahlen unwohl und es wärmt sich stark auf, ohne dass die Abluft irgendwo hin könnte. Auch kann man sich mit Ihnen schlecht unterhalten, denn man versteht sie einfach nicht mehr. Das Dach ist zwar von geringer Bauhöhe, weswegen es vom Windwiderstand punktet, schützt aber den Fahrer überhaupt nicht vor Regen.

Damit die Kinder selbständig einsteigen können, haben beide Räder haben ein Trittloch für den Einstieg. Das würde eigentlich reichen, aber bei beiden Rädern ist das Lock zu klein, beim Riese & MÜller kommen meine Kinder nur Barfuß rein, der Schuh meines 3-Jährigen Sohnes ist das nicht reinzubekommen. Das hätte man besser machen können, Material wegnehmen kostet ja kein Geld. Bei beiden Rädern sind es deswegen die Eltern, die Ihre Kinder reinwuchten müssen bzw. unterstützen. Es gibt auch Cargobikes mit Türen, die wirken leider noch etwas improvisiert und ob die Verwindungsteifigkeit der Box so noch ausreichend ist, kann ich nicht sicher beurteilen. Beide Räder benötigen natürlich einen Ständer, um das Rad aufzubocken. Beide Ständer sind sehr gut und sicher, somit in Ordnung. Der Ständer vom Packster ist allerdings noch besser gestaltet und aufwendig geschweißt, so dass sich das Rad extrem leichtgängig aufbocken lässt. Er ist nochmal deutlich besser als beim UA. Trotzdem reißt der Ständer das nicht raus, was der ungleiche Ladenboden, das Regencover und die Verarbeitungsqualität verbockt haben – die Kategorie geht doch ganz klar an das Urban Arrow Family.

Fahrdynamik und Lenkung 2:2

Das Urban Arrow ist super lang, ein echter Gleiter. Was allerdings in engen Kurven oder wenn Poller & Absperrungen durchquert werden müssen, sehr unangenehm ist. Man sucht sich, so meine Erfahrung, deswegen mit der Zeit seine Wege, wo man einfach keine Poller hat und nimmt so lieber Umwege in Kauf. Ich bin recht kräftig, kann das Rad auch mal hochheben und so durch enge Stellen zirkeln, was weniger kräftigere Personen, insbesondere eben viele Frauen, nicht hinbekommen dürften. Auch Ihnen bleibt deswegen eher öfter mal der Umweg als mühseliges Rangieren. Die Länge belohnt sich natürlich in Komfort, das Rad gleitet einfach gut und punktet im Geradeauslauf. Es ist kein Rad, dass versucht sich wie ein normales Rad zu fahren, die ersten Meter sind wegen der Länge etwas ungewohnt, aber danach fährt es sich vielleicht sogar gerade deswegen besser als kürzere Räder. Starr dafür die Gabel: Sie ist zwar sehr stabil, aber ein negatives Komfortmerkmal. Schläge gehen durch ganze Rad und auch die Box, wenn mal wieder ein Bordstein nicht richtig abgesenkt war oder ein Schlagloch übersehen wurde.


Abbildung: Schlafen kann man im Riese & Müller vorzüglich

Nie ein Thema: Kipppunkt & Stabilität. Viele Frauen haben mir gesagt, dass sie Angst bei so einem großen Rad hätten, dass es ihnen mit Kindern hinfällt. Weil es ja nur 2 Räder hätte statt 3. Ich glaube, dass sind eher Phantasien, denn die wenigsten haben es mal probiert: Man fällt nicht mit einem Urban Arrow hin. Es kippt auch nicht, im Gegenteil, es ist sehr fahrtstabil und neigt überhaupt nicht zum Kippen. Eher sind die Nachteile von 3 Rädern viel größer, wenn es um die Kurvenfahrt geht, wo man wie ein Affe auf dem Schleifstein hängt. Zwar gibt es innovative Systeme mit Kipplenkung wie Butchers & Bicycles, aber das ist sehr wartungsintensiv und immer noch schlechter als ein Rad, dass mit 2 Rädern gut konstruiert und stabil liegt.

Auch ein Riese & Müller kippt nicht. Es ist noch tiefer gebaut, sprich es kann noch viel forscher in Kurven bewegt werden als das UA. Auch sitzt man deutlich mehr nach vorne gebeugt, aber nicht unbequem stark. Ich habe den Komfort-Lenker extra geordert, wollte nicht die Mountainbike-Ähnliche Sitzhaltung einnehmen, was sich als goldrichtige Entscheidung erwiesen hat: Man sitzt so auf dem Riese wie auf einem Tourermotorrad super komfortabel, aber doch sehr agil. In diesem Punkte gibt es kein Vertun, man sitzt besser auf dem Riese & Müller und hat mehr das Gefühl sportlich zu fahren.


Abbildung: Kleine Jetpilotenkanzel für die Kinder im Riese & Müller Packster 70. Super empfehlenswert: Die Mininova M99 ist ein klasse Strahler!

Das Riese & Müller hat nicht wie das Urban Arrow eine Stangenlenkung. Stattdessen hat man diese über Seilzüge aufwendig in das Fahrzeug integriert. Ich hatte per se nie ein Problem mit der Lenkung des UA, Riese & Müller bewirbt aber, dass man sogar 90 Grad Winkel nun einschlagen kann. Das ist in der Tat gut für die Wendigkeit, auch auf engen Straßen kann man sich nun ohne Anläufe in einem Rutsch drehen. Ein kleiner Nachteil kommt damit auch einher, der bei mir für einen Sturz sorgte: Beladen mit meinen Kindern bin ich quer auf einen Bordstein zu, hüpfte hoch und schlug stark ein, um den Radweg zu erreichen – das ist intuitiv erstmal richtig, aber gibt dem Vorderrad die Option gegen die Fahrtrichtung zu laufen – das Rad kippte nach links einfach weg, der Lenker überschlug über die 90 Grad nach links. Seitdem wäre es mir manchmal lieber, man könnte nur max. 75 Grad einschlagen statt 90.

Diese Kategorie geht am Ende ohne Frage an das Riese & Müller, es ist das eindeutig fahrdynamischere Rad und macht dem Fahrer mehr Freude beim Fahren. Ach, nicht zu vergessen: Das Riese & Müller hat eine tolle Federgabel, die einfach funktioniert. Und das ist eine enorme Komfortverbesserung auf den schlechten Kölner Radwegen. In diesem Punkte war mein Kauf goldrichtig, das reine Fahren ist wirklich rund im Packster 70.

Komponenten und Motor 2:3

Diese Kategorie ist bei der wichtigsten und teuersten Einheit, dem E-Bike System selbst, bei beiden Rädern kein Unterschied. Beide setzen auf Bosch und ich kann nur raten: Setzen Sie auf Bosch! Das hat viele Gründe. Erstmal ist das System super ausgereift und hat keine Kinderkrankheiten mehr. Ich will gar nicht in die Details gehen, wie super clever die Tretunterstützung geregelt ist oder die Akkus Ihren Dienst tun, aber ich kenne kein System, dass sich ähnlich im Alltag bewährt. Bosch macht sogar dass, was kein anderer noch versteht: Sie setzen auf ihre langfristige Zufriedenheit als Kunde! Jedes Ersatzteil ist zu bekommen, auch wenn der Motor schon nicht mehr verkauft wird. Und in meinem Falle ist der Bosch-Motor im Urban Arrow nach ca. 15.000 km ausgefallen, es gab ne Unwucht im Tretlager. Aber es gab keine Zicken, Bosch hat das anstandslos ohne Berechnung ausgetauscht. Das werde ich sicher nicht vergessen, zwar ist loyale Kulanz nicht alles, aber bei so teuren Teilen wie E-Bike Motoren und Akkusystemen doch eine Menge. Ich habe erlebt, wie andere E-Bike Motoren Systemen chinesischer Bauart oder selbst japanischer Bauart versagten und der Service war wirklich bescheiden bis nicht vorhanden.

Im Riese & Müller findet sich mit dem Bosch Cargo-Modell der stärkste E-Bike Motor, der das Packster schon bei Überqueren der Ampel locker auf Höchstgeschwindigkeit bringt. Er ist zudem leiser geworden und nochmal kleiner, was sehr schick ist. Beim Packster gibt es die Option der Powertubes, die mit Ihren 625 kwh Speicherleistung wirklich wahnsinnig lange halten. Erstmalig ist es möglich, 100 km Touren an einem Tag zu machen ohne zu laden. Ich habe gleich 2 davon geordert, denn teils lud ich mein Rad alle 1-2 Tage, was etwas nervte. Das UA hatte einen 500 kwh Akku, aber kann man mittlerweile auch mit 2 Akkus bekommen. Diese befinden sich dann an der Lenksäule, nicht so nett integriert leider wie beim Packster. Auch kann man jetzt beim Packster auf die neueste Generation von Display zurückgreifen, ich habe das Nyon geordert. Das Display liefert jede Menge Informationen und ist super kompakt mit Farbdisplay. Und es hat eine eingebaute Navigation. Das ist wirklich ein Quantensprung, vor allem wenn man es mit Komoot kongenial verbindet. Ich halte das System für besser als ein Smartphone hierfür an den Lenker zu stecken (wie bei Cobi), letztlich wird es dass wohl auch für UA bald geben bzw. lässt sich nachrüsten, wenn das für Sie wichtig ist. Das normale Purion Display, dass mal so, tut’s eigentlich auch. Das ist eine Frage der Wünsche, ist aber nicht entscheidend für die Wahl des Rades.

Das zweitwichtigste System ist die Gangschaltung und wie beim Urban Arrow habe ich das Packster ebenfalls mit der NuVinci Enviolo, einem stufenlosen Schaltsystem, geordert. Ich kann es immer noch uneingeschränkt empfehlen. Ich mag ritzelbasierte System nicht mehr, die ich früher fuhr, wegen Ihres Wartungsaufwands und laufenden Verschaltern. Die NuVinci Nabe ist schwerer und hat mehr Verluste in der Übersetzung (Schlupf), was bei einem normalen Fahrrad natürlich ein No-Go ist, aber bei einem E-Bike ist es recht egal, denn die Verluste gleicht der Motor aus. Da zählt der Komfort und die Wartungsarmut. Die Schwäche der Nuvinci ist eigentlich das Kabel, hier passieren immer wieder mal Probleme, wenn das Kabel ausleiert. Besonders ärgerlich war das beim Urban Arrow: Wenn das bei Kälte draußen stand war, ist das Schaltkabel voll Wasser gelaufen und eingefroren – da ging dann leider gar nichts mehr, keine Schaltbewegung möglich. Mit Glück hatte man es im kleinsten Gang abgestellt, ansonsten wurde es anstrengend. Es gibt jetzt auch von Enviolo eine elektrisch-schaltende Automatik, die hat sich in meiner Testfahrt aber eher als No-Go herausgestellt, weil sie sehr träge reagiert. Ich wollte agiler agieren, deswegen habe ich mir das nicht genauer angesehen – es mag aber für den ein oder anderen eine gute Entscheidung sein.

Bei den Bremsen eine Überraschung: Ich hatte beim Urban Arrow mit Shimano ein bewährtes System. Für das Packster zahlte ich den Aufpreis für das Tektro TRP C 2.3 Cargo-Bremse im Performance Package und erhielt….eine schlechte Bremse. Beim UA war der Verschleiß zwar hoch, aber die Bremse packte richtig. Beim Packster dagegen schwimmt die Bremse, man wendet viel Kraft auf und es kommt wenig – ärgerlich! Dafür zahlte ich 499,-€ Aufpreis mit dem Lichtsystem Supernova M99. Das ist allerdings der Hammer, das Licht flutet die Straße und ist nicht zu vergleichen mit dem Lichtsystem des normalen Family. Das war so schwach, dass ich es mit einem Busch+Müller System nachgerüstet hatte. Gut ist im Performance Package die hydraulisch gefederte Sattelstütze, die aus meiner Sicht eine sehr gute Alternative ist zu anderen Systemen wie dem Thudbuster, was ich für das UA nachgerüstet habe. In jedem Falle ist eine Sattelfederung wirklich sinnvoll, um den Komfort zu erhöhen und für mich stellte sich so auch nicht die Frage nach einem vollgefederten Lastenrad wie dem Load. Das mag nötig sein, wenn man die Highspeed-Version ordert, das wiederum halte ich in einer Großstadt mit Kindern vorne drin doch für ein recht gewagtes Unterfangen. Für das Packster gibt es übrigens keine High Speed Version bis 45 km/h – ich würde gerne mal wissen, wieso nicht?

Ach so, und dann noch so ein Detail: Der Sattel. Verstehe dass wer will, aber Riese & Müller hat bei einem derartig teuren Rad wirklich einen billigen Sattel gewählt, der mich nur ärgert. Laufend knackt er, laufend biegt er durch. Schon auf den ersten Blick sieht man, dass das auch nicht lange halten wird. Zudem ist die Oberfläche unschön verfärbt nach einigen Tagen. Der vom Urban Arrow ist jetzt nicht aus einer teureren Kategorie: Aber er sitzt, er federt gut und hält meinem Gewicht stand. Auch hat er einen praktischen Griff, den man zum rangieren eines Lastenrades auch braucht. Wieso Riese & Müller sich da so vergriffen hat, verstehe ich nicht. Zu der billigen Klingel und den schrottigen Pedalen komme ich gleich.

Wegen ärgerlicher Komponenten und Extras, die wenig taugen, geht der Punkt an Urban Arrow.

Qualität und Verbarbeitung 2:4

Also hier gibt es gar keine Frage: Das Urban Arrow ist das deutlich besser verarbeitete Rad. Punkt. Ich habe lange überlegt, wo das Rad das Problem war und wo es wirkliche Funktions- und Designmängel gab. Mir fiel da eigentlich nur der Chainguard ein, der seine laufenden „Frappfrapp“-Geräusche machte. Aber hier könnte man auch heute einen Gates Riemenantrieb ordern. Ansonsten fiel mir da einfach nichts ein. So muß das sein!

Deswegen fange ich mal damit an, was jetzt nach 3 Monaten schon beim Riese & Müller anfängt zu nerven und in Anbetracht des exorbitanten Kaufpreises auch nervt:

– Design der Schutzbleche: Sie führen dazu, dass das Rad laufend unnötig verdreckt, weil sie nicht ausreichend schützend ausgelegt wurden
– Knarren und Ziehen in der Box: Da die Box aus mehreren Teilen besteht, arbeiten diese gegeneinander. Hört sich an wie ein altes Lastenrad, obwohl es doch neu ist.
– Rost: Das ist echt der Hammer. Man setzt in einem so teuren Rad Schrauben ein, die rosten können.
– Sattel: Das ärgert mich wirklich, das Ding ist Schrott. Knackt, biegt sich durch, nur für den Abfalleimer
– Klingel: Riese & Müller verbaut eine Miniklingel, die keiner hört. Auch hier wurde gespart.
– Pedale: Auch hier wurden ungewöhnlich einfache und billige Pedale gewählt, für ein Rad der Preisklasse ein Tabubruch.
– Knacken im Lenkerseilzug: Hier weiß ich nicht, woher es kam, es ging auch wieder weg nach ein paar Wochen. Dass das Kabel mal reißt, will ich mir nicht vorstellen.
– Schrauben lösen sich: In der Bo gibt es Befestigungsschrauben für die Verkleidungen, die sind dann mal einfach losgegangen an meinem Montagsrad
– Kindersitzbank: Da habe ich ja vorhin schon drüber geschrieben, aber dieses ebenfalls teure Extra ist eine Fehlkonstruktion und gehört dringend ersetzt. Ich habe keine lust mir die noch ein weiteres Mal ersetzen zu lassen, das taugt einfach nichts.
– Riemenantrieb: Das Gates Riemenantriebssystem gibt es auch beim UA und funktioniert gut von der reinen Kraftübertragung her. Es quietscht und ächzt aber immer wieder. Ursache unbekannt. Bei Übergabe war das System nicht richtig montiert, also gab es hier schon evtl. ab Werk Probleme
– Bauliche Enge: Beim Pedalieren kommen die Füße laufend an die Box und hinterlassen hässliche Spuren.
– Die EPP-Box ist sehr empfindlich von der Oberfläche her. Während beim Urban Arrow das EPP eher versiegelt wirkt, nimmt die Packster-Box jeden Dreck an.
– EPP-Box „Handschuhfach“ öffnet sich von selbst: Eigentlich super cool, dass es sowas gibt, eine Handschuhbox. Die braucht man vor allem für eins, das Schloß. Denn wo man sonst sein Schloss hintun soll, weiß ich nicht – Taschen wie beim Urban Arrow gibt es nicht als Zubehör für die Box. Denn das Riese & Müller muss natürlich gerade über Nacht mit mehr als dem Caféschloss abgeschlossen werden. Aber beim Aufbocken geht das Fach einfach immer wieder einfach so auf. Nervig. Und warum auch immer, die Box lässt sich so nicht verriegeln. Das hätte noch drin sein müssen.

Ich sage es wie es ist: Für mich darf ein Rad in der Preiskategorie gen 9000 € nicht mit sowas aufwarten und es hat mich enttäuscht. Statt einen „Stratokreuzer“ zu kaufen, schwächelt das Rad. Es will viel sein, schafft es aber nicht, die hohe Alltagsqualität des Family zu erreichen. Man darf den Punkt nicht unterschätzen: R&M hat es geschafft, mir den Preis eines Pkws aus den Rippen zu leiern – da darf man keine 4,-€ Klingel verbauen!


Abbildung: Rost in den Abdeckungsschrauben für die Bodenplatte des Riese & Müller


Abbildung: Und wieder kaputt! Hochgeklapptes, gebrochenes Sitzgestänge für die verstellbare Sitzbank vom Riese & Müller


Abbildung: Immer geht es auf – das Handschuhfach am Riese & Müller. Das muß besser gehen!


Die zu kurz geratenen Schutzbleche des Riese & Müller – so sauber sieht die Box meistens nicht aus, der Dreck rotzt überall hin

Wertstabilität (außer Wertung)
Hierzu kann man beim Packster wenig sagen, das Rad ist noch zu neu. Aber Familien werden wissen wollen, welchem Rad sie vertrauen können, wenn es um die Qual der Wahl geht. Das tut der Ruf sein Übriges. Der schlechte Ruf der Babboe ist in unserer Ecke dermaßen stark gewesen, dass man die Karawane von Leuten auf das Urban Arrow umsatteln sah. Babboes fegt es nach und nach aus dem Straßenbild. Ich habe das Urban Arrow in 2016 mit Zubehör für etwas über 5.000,-€ gekauft, mittlerweile sind die Preise gestiegen. Ich konnte es nach fast 5 Jahren für knapp 3.000,-€ wieder verkaufen. Das finde ich für ein E-Rad ist ein super Werterhalt, denn einen echten Gebrauchtmarkt gibt es bis heute nicht – solche Räder sind rar. Wenn also jemand noch das Glück hatte, bei der Anschaffung vom Staat gefördert zu werden (ich leider nicht), dann ist er qasi zum Nullpreis gefahren (5000 € Neupreis -2500 Förderung = 2500 Zahlpreis. Verkaufspreis nach Ablauf der Förderung: 3000,-€, ergäbe also ein fettes Plus von 500,-€!). Ob das Packster ähnlich wertstabil ist, muß die Zeit zeigen. Mein Bericht hilft vermutlich eher nicht 😁

Fazit – and the Winner is: URBAN ARROW FAMILY!

Der Gewinner ist am Ende recht eindeutig: Es ist das Urban Arrow Family. Die Niederländer bauen das mit Abstand familien- und alltagstauglichste Lastenrad und daran beißen sich die deutschen Konstrukteure bislang die Zähne aus. Es gibt immer mehr innovative Lastenradangebote, aber mit gutem Grund sind sowohl Riese & Müller als auch Urban Arrow die Platzhirsche im oberen Segment. Die Holländer tun es mit Tradition und stolz, sie sind damals die ersten mit der großen EPP-Box gewesen, mit einem modularen Rahmensystem und einem perfekten Zubehörprogramm. Dabei tun die Deutschen eigentlich alles für den Sieg, sie setzen hochwertige und teure Komponenten ein, designen aufwendige Sonderlösungen und importieren Themen aus dem Auto- und Motorradbau wie die verstellbare Sitzbank. Die Niederländer zeigen, dass darin vielleicht eher ein Rückschritt besteht, sondern man vom Fahrrad aus kommend weiter denken kann. Man weiß sofort, dass die Designer des UA auch im Alltag jeden Tag bis zum „Erbrechen“ selbst Ihr Rad fahren. Das Riese & Müller wirkt wie am Computer entworfen, aber nicht ausreichend getestet. Es hat weniger Alltagsqualitäten, nervt mit teils schlechtem Zubehör und hat Qualitätsprobleme wie Rost und wiederholt defekte Sitzgestell. Für eine Familie, für die 5.000,-€ sehr viel Geld sind, ist meine Empfehlung deswegen weiterhin: das Urban Arrow Family ist Euer Rad der Wahl. Der Aufpreis zum Packster macht sich leider nicht bezahlt, es ist nicht das eindeutig bessere Lastenrad.

Schon bevor ich das UA, das ich ja eigentlich so liebte, verkaufte, wusste ich: Der Umstieg wird unerwartete Erlebnisse bringen. Es ist wie einen komfortablen und zuverlässigen VW Bus ohne Probleme aufzugeben, weil er einfach „so fett ist“. Das Packster ist da wie der Tesla – die große Versuchung, das große Wow am Anfang, aber wenn man ihn mal länger gefahren ist, kommt die Ernüchterung; weil das Handschuhfach klappert wie am Lada Niva. Das Packster hat einige Qualitätsprobleme, die Riese & Müller vielleicht in den Griff kriegt. Aber ob das noch die große Liebe wird, weiß ich nicht. Wenn Urban Arrow jedenfalls doch eine Federgabel kriegt, weiß ich, was ich tun muß….


Abbildung: Oldie but Goldie – Urban Arrow hat ein grandioses Design schon mit dem ersten Wurf gemacht und entwickelt dies weiter. Wie wäre es mit einer Federgabel?

Kurze Kurzkurzkritik zu weiteren Alternativen:
– Warum habe ich nicht ein Larry vs. Harry Bullit gefahren? Habe ich! Sehr sportlich, für meine Begriffe zu sportlich. Leider nur mit Shimano erhältlich und ebenfalls für die schlechten Kölner Straßen zu wenig gedämpft an der Frontgabel. Mir war es auf jeden Fall zu sportlich. Das Zubehör ist zudem nicht mehr auf der Höhe – etwas für Puristen, aber nichts für Familien finde ich. Schöne Rahmen, schöne Farben, sieht gut aus, aber nicht für meinen Alltag passend.
HNF Nicolai & Butchers vs. Bicycles: 3-Räder überzeugen mich nicht, sie sind auch viel zu groß für die Kölner Straßenverhältnisse bzw. vor allem Parkierungsverhältnisse und recht wartungsaufwendig mit der komplexen Vorderradkonstruktion. Ein gutes Dreirad fährt fast so gut wie ein Zweirad – aber eben nicht besser. Ebenfalls bei beiden mangelhaftes Zubehörprogramm wie Regendach, nicht sehr funktional.
Chike: Gefühlt zu hoher Schwerpunkt, rutschiges Hinterrad wenn das Gewicht vorne hoch ist, ebenfalls nicht optimal gelöste Fahrdynamik. Interessantes Design mit der anhängbaren Frachtbox. Die kleinen Räder – irgendwie nicht so meins.
Douze: Nur mit Brose Motor – bin ich skeptisch bzgl. Support & Servicesprechen im Vergleich zu Bosch – sonst ganz spannend.
Carqon 2000: Ist das Premium-Babboe, ich bin bei deren Qualitätshistorie vorsichtig. Mir fiel die schlecht eingepaßte Tür in der Box auf – scheint mir kein Kandidat für die vorderen Plätze zu sein. Hat für mich nicht den Platz unter den Top 3.
Ca Go FS200: Sehr interessant, spannendes Design in Rahmen und Box mit integrierten Bosch Power Tubes. Aber noch kein großes Händlernetz und deswegen kann ich es bis dato nicht wirklich beurteilen. Noch etwas teurer als das Riese & Müller, wirkt aber individueller/luxuriös. Macht viele Dinge auf den ersten Blick genau richtig. Aber vielleicht eines der Besten Räder? Man müßte es testen.

14 Comments

  1. Mik says:

    I’ve decided to go for UA too. The decision was based on the fact that UA is the continuation of the successfull series of family cargo bikes – in fact they could invest in some further improvements too, but anyway it’s very convenient bike!

    • BuZzman! says:

      Hi Mik, it’s true – sometimes continuation and evolution pays off better than to revolutionize the bike. Riese & Müller tried with the steering, the inside storage for batteries, however they have to improve on basic qualities which is about daily comfort and usage

  2. Kathi says:

    Super Vergleich! Wir haben auch ein UA und da unsere Tochter schon 8,5 ist und ohne Platzprobleme mit kann, bleibt es Wahl Nummer 1. Als Alternative käme das Gazelle Makki in Betracht.

    • BuZzman! says:

      Hey, danke Kathi! Das Gazelle Makki kannte ich noch gar nicht, das alte Gazelle Lastenrad war eher sehr spartanisch. Bin ich mal gespannt drauf!

  3. Mike says:

    Hi,

    Schöner Bericht, danke für die vielen Details. Mir persönlich gefallen ja alle Räder mit diesen riesigen Kisten nicht – unschön, schlecht für sperriges Ladegut, und die gefühlte Sicherheit ist mMn auch eher im Kopf als auf der Straße vorhanden.
    Lachen musste ich vor allem bei der Nachhaltigkeit: wo hast du denn gelernt, dass Polypropylen (immerhin einer der am leichtesten recycelbaren Kunststoffe) besser wiederzuverwenden ist als der Naturmaterial Holz?

    In diesem Vergleich zum UA würde bei mir eindeutig das Packster gewinnen, und wenn es nur am erwähnten sportlicheren Fahrstil liegt. Dieses Hollandrädrige taugt mir gar nicht. Dann aber mit Rohloff 😎

    Grüße

    • BuZzman! says:

      Danke Mike. Bei der Nachhaltigkeit ist es tatsächlich so, dass sich EPP sortenrein zu 100% recyclen lässt, d.h. da kann das gleiche Produkt erneut geschäumt werden. Die Holzplanken, von denen ich bei Babboe & Coe rede, sind ja keine Holzplatten, sondern ein Mischmaterial aus Kunststoff, Holz und Klebstoffen mit einer Holzdekor-Optik, das hätte ich wohl dazu schreiben soll. Daraus kann man nur noch Füllmaterial machen. Eine richtige Holzplanke hat meines Wissens kein Lastenrad. Trotzdem werden diese Platten von vielen Leuten als Holzplanken wahrgenommen. So müßte es denke ich stimmen.

  4. Hi Markus,
    Sehr umfangreich und detailliert!
    Danke für die spannende Review.
    Bei Interesse melde dich gern mal für einen Eindruck vom Ca Go FS 200.
    Es sind mittlerweile über 35 ServicePartner in Deutschland aktiv für Beratungen, Probefahrten und Vertragswerkstatt-Service eingebunden und werden über die kommenden Monate auf ca. 100 deutschlandweit ausgebaut.
    So sind es in Köln Cologne CargoBike und Lastenrad-Köln. Gern würde ich mich auch auf eine Ausfahrt am Decksteiner oder so treffen – falls du Lust hast das Ca Go einfach mal vergleichend zu erleben.
    Ich freue mich auf den Austausch und deine Einschätzung!
    Viele Grüße aus dem Kölner Norden
    Matthias Naumann
    CMO / Geschäftsführer & CoFounder
    Ca Go Bike GmbH
    matthias.naumann@cagobike.com

    • BuZzman! says:

      Hi Matthias, Du bist der erste Geschäftsführer der sich hier eingetragen hat, das gibt einen Ehrenpreis! :-) Ja, ich bin sehr gespannt auf eine echte Ausfahrt, bislang kenne ich nur das Video der Radelbande und bin gespannt, wie sich das Rad live anfühlt. Die 2 genannten Geschäfte in Köln kenne ich leider nicht, aber Lastenrad-Köln ist erreichbar, muss ich mal aufstöbern. Werde dann berichten! Und Grüßen gen Norden (ich dachte Ihr seid alle in Koblenz!) – Beste Grüße Markus

  5. Hi Markus,
    wollen wir uns die Tage mal in Mülheim/ CologneCargoBike verabreden? Dann kannst du mit dem Vorführer dort und ich mit meinen Ca Go Bike mal eine satte Runde hier oben düsen! Meine Email hast du ja durch die Kommentare hier. Schreibst du mich einfach kurz an damit wir Nummern tauschen können?
    Schönen Abend & auf Bald!
    Matthias

  6. Jochen says:

    Eine Frage: wenn ein Elternteil die Kinder zu einer Geburtstagsparty bringt und dann weiter zu einem eigenen Termin fährt; wer kann dann die Kinder mit dem Fahrrad abholen??? Meiner Meinung DER Riesennachteil von Lastenrädern. Das Problem hat man mit Fahrradanhängern nicht.

    • BuZzman! says:

      Hi Jochen,

      danke für den Beitrag! Zu der Situation, die Du als Exempel statuierst, muss ich entgegnen: Kommt ganz drauf an! Und wie Du diese Situation beschreibst muss man sich fragen: Ist das wirklich die Situation, die im Alltag auch oft vorkommt? Vor allem aber, was passiert vor- und nach dem Abkoppeln? Was kann das Fahrrad als reine Rad ohne Anhänger dann noch leisten außer der Fortbewegung? Das macht immer einen Unterschied, je nachdem wie der Alltag so aussieht. Trotzdem ein paar Argumente für das Lastenrad, denn man muss die Nachteile von Anhängern nicht unter den Teppich kehren.

      1.) Warum sollte man den Anhänger nicht auch ans Lastenrad anklinken? Dagegen spricht ja nichts. Das ginge ja auch, ist aber wohl nicht gemeint. Genauso:
      2.) Was, wenn man mehr als 2 Kinder hat? Im Urban Arrow sind 5 Kinder plus Fahrer sicher möglich und es fährt sich toll – das geht mit keinem Anhänger. Da müssen die meisten Anhänger passen oder der Fahrer*in, weil es zu schwer wird.
      3.) Anders denken als bei normalen Rädern weil andere Kategorie: Im Gegensatz zu normalen Rädern sind Lastenräder immer Unisex und man kann sie in Sekunden so einstellen, dass der andere Partner weiterfährt – das geht mit keinem Rad+Anhänger, denn da muss gleich das Fahrrad passen. Kommt also der Partner zum Kindergeburtstag mal nicht per Rad, sondern zu Fuß oder Bahn, kann er mit dem Rad wenig tun? Mit dem Lastenrad schon.
      4.) Aber was der Fall auslässt, was für mich der Punkt war ein E-Cargobike zu kaufen – was ist denn ein Fahrrad ohne Anhänger? Ein Fahrrad – und das ist halt weniger als ein Lastenrad. Ich habe die Tasche vom Büro oder mal einen Einkauf oder eine Kiste Bier – wohin damit auf einem normalen Rad, es ist ein Gewurkse oder man hängt es sich um wie ein Packesel. E-Lastenräder können Kinder plus Ladung bis 250 kg sicher bewegen, das gelingt mit Anhängern nicht gleich gut. Sicher, das Rad ist teurer als ein Anhänger, aber es ist ja kein “Add-On”, sondern eine ganze andere Art Fahrrad.
      5.) Vor allem, weil hier kein mechanisches Long-John gemeint ist, die es in Ihrer Popularität nie weit gebracht haben, sondern wir sprechen von E-Cargobikes. Und das ist der eigentliche Unterschied, warum diese Kategorie so populär ist. Lastenräder per se sind nicht so populär, aber E-Cargobikes sind die Kategorie, die richtig boomt.

      Ein Lastenrad transportiert Kinder und Last und kann dies halt immer – und da kannst mit diese großen Rad rumfahren als wäre es ein normales, obwohl es 50-60 kg Leergewicht hat. Wenn Du also abkoppelst und dann weiter fährst, hast Du beim normalen Rad bestenfalls 2 Fahrradtaschen, in die man das Gemüse quetscht – für eine Familie ist das nicht realistisch, die überlegt Ihr Auto abzuschaffen für den Wochenendeinkauf. Hat man den Anhänger abgekoppelt vom Rad und der verbleibt beim Kindergeburtstag, wo kommt der große Einkauf hin? Packtaschen sind da eine Behelfslösung, in ein Lastenrad geht auch der Wocheneinkauf rein. Das entspricht eher unserem Alltag. Und das ist ja die eigentliche Frage: Will man einen flexiblen Anhänger weil 2 Partner Rad fahren, aber sich partout kein E-Lastenrad kaufen möchten? Oder will man die Vorteile des Lastenrads nutzen, die ja darüber hinausgehen, insbesondere Karosse mit E-Motor. Für viele war dies der große Augenöffner: es ist auch für Frauen leicht, 2 Kinder plus 50 kg Einkauf und sich selbst zu fahren in einem E-Cargobike über Distanzen von 10 km. Meine Frau hätte das nie gemacht und wäre lieber beim Pkw geblieben – das ist mit einem Anhänger mechanisch pedaliert eine ganz andere Nummer, die man nicht vergleichen kann und nicht zuletzt wegen des Komforts beim Cargobike so beliebt ist, dass Leute Ihr Auto stehen lassen und 365 Tage im Jahr fahren – könnte nicht mehr im Sinne des Verkehrs & Umwelt sein.

      Ansonsten tue ich mich schwer, das 1:1 zu vergleichen. Insbesondere der Kontakt zu den Passagieren ist enger und besser, man kann sich mühelos mal unterhalten und beim Bremsen bleibt das Rad und Fracht an einer Stelle. Man sieht, was die Kinder gerade tun. Scharfe Bremsmanöver sind mit dem Anhänger weniger gut kontrolliert genauso wie die Länge des Gefährts beim Kreuzen von Pollern schwierig sein kann – es ist bei Kreuzungsverkehren angenehmer, wenn man die Kinder immer vor sich/bei sich weiß. Die Kinder finden die Sitzposition im Lastenrad auch sehr gut – sie sitzen nicht ganz so tief wie im Anhänger. Große Kinder fahren deswegen meist nicht mehr gerne mit im Anhänger – im Lastenrad muss man sie eher “rausdrücken”.

      Also, der Vergleich war eine spannende Denksportaufgabe – aber es ist so als wenn man sagt, ein VW-Bus ist weniger flexibel als wenn sich 2 Pkws mit Campinganhänger kauft, den ich überall lassen kann. Das ist übrigens auch nicht immer so – ein Anhänger kann manchmal auch ein Platzproblem sein. Die Entscheidung muss zum Alltag passen und man muss sie einfach mal verglichen haben.

  7. Jose says:

    Very good review too bad there was not a comparison with the new game changer ” the cube cargo hybrid”. Combines some of the points of UA, Packster 70 and Bullit.
    Big possibilities of configuration and insulation for a cheap price with top components

  8. Felix says:

    Hi, bzgl. der Diskussion Anhänger oder Lastenrad:
    – in unseren Chariot Thule Doppelanhänger bekomme ich drei Kästen Bier oder 3-4 große, blaue Ikeatüten Aldi-Einkauf. Soviel passt in das UA nicht rein (ohne in der Kurve runterzufliegen). Einkauf läuft bei uns immer mit Anhänger, Kindertransport (3x) mit dem Lastenrad.
    – Wie bekommt man 5 Kinder in das UA bei drei Gurtplätzen? Bei uns ist schon das dritte Kind rückwärtsfahrend eher Notbehelf, da nur 2-Punktgurt und keine Kopfabstützung.

    Wir überlegen auch auf Packster 70 umzusteigen. Hat jemand mal ein Bild vom Packster 70 mit drei Kindern an Bord? Im Netz findet man immer nur Bilder mit 2x Kids!

    Gute Fahrt!
    Felix

  9. Hi Felix,

    wow, 3 Kisten Bier sind natürlich eine Menge Holz. Das geht in der Tat nicht in das UA vorne rein ohne Sturzgefahr! Also für solche Lasten würde ich einen zusätzlichen Anhänger auf jeden Fall behalten.

    Beim UA mit 5 Kindern geht so: 2 auf der normalen Sitzbank, 2 vorne auf der Zusatzbank (bis ca. 6 Jahre) und 1 auf dem Kindersitz klassisch hinter dem Fahrer montiert. Wenn Du Bilder googled in Holland findet man die – quasi eine ganze Kindertagesstätte auf einem Rad.

    Wenn Du wirklich 3 Kinder mitnehmen willst, wäre wahrscheinlich das Load 75 besser – denn das gegenüber sitzende Kind hat im Packster noch weniger Beinfreiheit, das geht wirklich nur wenn Du 3 Kids unter 5-6 Jahren da hast ohne sie zu stauchen. Ein Foto habe ich leider nicht.

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